Kitz­ret­tung – der Land­wirt trägt Verantwortung!

Vie­le Land­wir­te ste­hen auf dem Stand­punkt, es sei aus­schließ­lich die Auf­ga­be der Jäger, zu ver­hin­dern, dass Kit­ze bei der Mahd ver­letzt oder getö­tet wer­den. Die­se Ansicht trifft nicht zu. Zwar sind die Jäger auf­grund ihrer Hege­ver­pflich­tung gem. Para­graph 1 des BJagdG ver­pflich­tet, an Maß­nah­men zur Kitz­ret­tung mit­zu­wir­ken, die über­wie­gen­de Pflicht trifft jedoch den Land­wirt und zwar aus fol­gen­den Gründen:

  • Ers­tens ist der Land­wirt für die Betriebs­ge­fahr sei­ner land­wirt­schaft­li­chen Maschi­nen ver­ant­wort­lich und muss des­halb Sor­ge dafür tra­gen, dass kei­ne Per­so­nen- oder Sach­schä­den entstehen.
  • Zwei­tens trifft den Land­wirt genau­so eine Hege­ver­pflich­tung wie den Jäger, da die Hege eines gesun­den und arten­rei­chen Wild­be­stan­des eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be ist.
  • Drit­tens macht sich ein Land­wirt straf­bar, der ohne geeig­ne­te eige­ne Schutz­maß­nah­men den Mäh­tod der Kit­ze bil­li­gend in Kauf nimmt. Gem. § 17 Nr. 1 Tier­schutz­ge­setz ist der­je­ni­ge straf­bar, der ein Wir­bel­tier ohne ver­nünf­ti­gen Grund tötet.
Ein Land­wirt, der sich weder mit den Jägern abstimmt noch eige­ne Maß­nah­men gegen den Mäh­tod unter­nimmt, nimmt bil­li­gend in Kauf, dass er wäh­rend des Mäh­vor­gan­ges im Gras abge­leg­te Kit­ze tötet, und macht sich des­halb straf­bar. Hier­zu gibt es meh­re­re Gerichts­ent­schei­dun­gen (vgl. etwa AG Hada­mar, Urt. v. 29.09.2004, Az. 1 DS 3 Js 12550/03).

Neue­re Urtei­le bekräf­ti­gen dar­über hin­aus, dass sich der Land­wirt gegen­über dem Jäger scha­dens­er­satz­pflich­tig macht, wenn er gegen das Tier­schutz­ge­setz ver­sto­ßen hat, indem er nicht alles Zumut­ba­re getan hat, um den Ver­lust von Reh­kit­zen so gering wie mög­lich zu hal­ten. Da es den Jägern in aller Regel auf die Erhal­tung des Lebens der Kit­ze und damit ihren „Zucht­wert“ ankommt, wird von den Gerich­ten als Scha­dens­hö­he regel­mä­ßig der „Zucht­wert“ ange­setzt. Das AG Bit­burg, bestä­tigt durch das LG Trier, hat dabei ein Reh­kitz mit 680,00 EUR bewer­tet (vgl. AG Bit­burg, Az. 5 C 327/04, LG Trier, Az. 1 S 183/04).

Fazit: Der Land­wirt hat in einem höhe­ren Maß eine Pflicht zur akti­ven Mit­wir­kung an der Ver­hin­de­rung des Mäh­tods von Reh­kit­zen. Ihn trifft nicht nur die Hege­ver­pflich­tung wie den Jäger, son­dern er macht sich straf­bar, wenn er zumut­ba­re Maß­nah­men unterlässt.

Quel­le: BJV–NEWSLETTER AUSGABE 30. APRIL 2015
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