Inhalt 

Die Mahd im Wandel der Zeit, Effiziente Methoden zur Kitzrettung

Tier­schutz im Grünland

01. Die Mahd im Wan­del der Zeit

Die Ent­ste­hung der Mahd

Der Begriff Mahd ent­stand so um das Jahr 1300. Unter Mähen ver­steht man das Abschnei­den von Gras oder Getrei­de. Dazu wur­de ursprüng­lich eine Sichel oder eine Sen­se ver­wen­det und war folg­lich mit sehr viel Hand­ar­beit ver­bun­den. Auch zu Zei­ten der Sen­se gab es bereits einen, heu­te in Euro­pa nahe­zu aus­ge­stor­be­nen, Beruf des Ern­te­hel­fers. Der Schnit­ter (Mäher) war ein sai­so­na­ler Wan­der­ar­bei­ter, der im Som­mer von Bau­er zu Bau­er zog und dabei sei­ne Diens­te anbot. Dabei kamen ihm sicher­lich die zeit­lich unter­schied­li­chen Rei­fen der Getrei­de­sor­ten und ‑fel­der zugu­te. In unse­ren Brei­ten­gra­den hat die­ser Beruf heu­te kei­ne Bedeu­tung mehr. 
Eine Viel­zahl tech­ni­scher Erfin­dun­gen bewirk­te eine enor­me Arbeits­er­leich­te­rung. So wur­de von Cyrus McCor­mick bereits 1834 eine Getrei­de­mäh­ma­schi­ne zum Patent ange­mel­det. Der so genann­te „Vir­gi­nia-Rea­per“ war bereits mit Fin­gern und einem Säge­mes­ser aus­ge­stat­tet. Durch eine Wei­ter­ent­wick­lung des „Säge­mes­sers“ zu Drei­ecks­klin­gen wur­de eini­ge Jah­re spä­ter das Mähen des fei­ne­ren Gra­ses mög­lich. Die ers­te „Gras­mäh­ma­schi­ne“ wur­de 1851 in Lon­don vorgestellt. 
Da die­se Maschi­nen im Ver­hält­nis zur mensch­li­chen Arbeits­kraft rela­tiv teu­er waren, konn­ten sie sich in Euro­pa zunächst nicht durchsetzen. 
Erst durch die Abwan­de­rung der „Tage­löh­ner“ in die Indus­trie stieg die Nach­fra­ge nach Mäh­ma­schi­nen. Die­se wur­den lan­ge Zeit von Arbeits­tie­ren gezo­gen, der Antrieb des Mäh­wer­kes erfolg­te durch die Räder über den Boden. 
Aller­dings konn­ten die­se Maschi­nen nur mit erheb­li­chem Kraft­auf­wand bewegt wer­den. Dazu waren zwei Pfer­de oder Zug­och­sen not­wen­dig. Für klei­ne­re Bau­ern, die ledig­lich „Arbeits­kü­he“ besa­ßen, blieb eine sol­che Maschi­ne ledig­lich ein Wunschtraum. 

Ent­wick­lung von Benzinmotoren

Erst durch die Ent­wick­lung von Ben­zin­mo­to­ren wur­de die Modi­fi­zie­rung der Mäh­ma­schi­ne mög­lich. Jetzt über­nahm ein Motor den Antrieb und mach­te den Ein­satz von Pfer­den über­flüs­sig. So pro­du­zier­te schon 1916 die Schweit­zer Fir­ma AEBI die Pfer­de­zug- und Auto­mo­bil­mäh­ma­schi­ne “Hel­ve­tia”.

Bereits 1906 ent­wi­ckel­te Hen­ry Ford einen Klein­schlep­per aus dem 1917 ein Schlep­per her­vor­ging, der seit­her die noch heu­ti­gen Grund­sät­ze wie Block­kon­struk­ti­on und gerin­ges Gewicht in sich vereinte. 
Ein paar Jah­re spä­ter wur­den die Trak­to­ren vie­ler Her­stel­ler mit Neben­ab­trie­ben wie Zapf­wel­le, Rie­men­schei­be oder Mäh­werk­kur­bel aus­ge­stat­tet. Das ermög­lich­te den Ein­satz von Anbaumähbalken. 
Die Mäh­bal­ken waren in der Regel sehr stör­an­fäl­lig. Gemäht wur­de nur mit gerin­ger Geschwin­dig­keit, lie­gen­des oder nas­ses Gras führ­te meist zu einem „Ver­zwi­cken“ der Messer. 
Mit der Ent­wick­lung von Krei­sel­mäh­wer­ken (1963) und der Leis­tungs­stei­ge­rung der Trak­to­ren ging die Bedeu­tung der Mäh­bal­ken deut­lich zurück. Den­noch haben die Bal­ken­mäh­wer­ke auch heu­te noch ihre Berech­ti­gung. Sie sind in eini­gen Berei­chen nicht wegzudenken. 
Der Ein­satz der moder­nen Krei­sel­mäh­wer­ke ermög­licht ein zuver­läs­si­ges Mähen mit hohen Geschwin­dig­kei­ten von lie­gen­dem oder auch nas­sem Gras. Das ist mög­lich, da das Gras nicht mehr geschnit­ten, son­dern ähn­lich wie bei einem Rasen­mä­her ledig­lich „abge­schla­gen“ wird. Auch klei­ne­re Hin­der­nis­se in den Wie­sen, wie z.B. Maul­wurfs­hü­gel, kön­nen von die­sen Maschi­nen pro­blem­los gemeis­tert werden. 

02. Mäh­ver­fah­ren und ‑maschi­nen

Mäh­ver­fah­ren im Vergleich

Die Ent­wick­lung der Mäh­ma­schi­nen brach­te nicht nur eine Arbeits­er­leich­te­rung, son­dern auch eine enor­me Effizienzsteigerung. 
So konn­te bereits ein Trak­tor mit einem Bal­ken­mäh­werk die­sel­be Arbeit ver­rich­ten, die zuvor von zehn Mähern erle­digt wer­den musste. 
MÄH-
BREITE
MÄH-
LEISTUNG
Mäher mit Sense ~ 2 m ~ 0,1 ha/h
Trak­tor mit Balkenmähwerk 2 – 3 m 1 – 1,5 ha/h
Trak­tor mit Front- u. Seitenmähwerk 4 – 6 m 6 – 9 ha/h
Trak­tor mit CLAAS DISCO 1100 C /RC 9,4 – 10,7 m 14 – 16 ha/h
Mäh­auf­be­rei­ter KRONE – BiG M 500 13,2 m ~ 20 ha/h
Fut­ter­ern­ter CLAAS – COUGAR 1400 14 m ~ 22 ha/h

m = Meter – ha/h = Hekt­ar pro Stunde

Der eigent­li­che Durch­bruch in Bezug auf Mäh­leis­tung und Zuver­läs­sig­keit gelang erst durch die Ent­wick­lung des Krei­sel­mä­hers. Durch die Kom­bi­na­ti­on mit immer stär­ke­ren Trak­to­ren sowie der Ent­wick­lung von Groß­mäh­ma­schi­nen konn­te man die Mäh­leis­tung in den letz­ten vier­zig Jah­ren mehr als verzwanzigfachen. 

Fächen­leis­tung der Ver­fah­ren im Vergleich

Wäh­rend der Mäher mit sei­ner Sen­se Schritt für Schritt sei­ne Arbeit durch­führ­te und dabei unge­fähr 500 Meter pro Stun­de zurück­leg­te, kön­nen die moder­nen Mäh­ma­schi­nen mit über 20 km/h zuver­läs­sig Ihre Arbeit verrichten. 
MÄH-
GESCHWINDIGKEIT
FLÄCHEN-
LEISTUNG
Mäher mit Sense ~ 0,14 m/s ~ 0,3 m²/s
Trak­tor mit Balkenmähwerk 1,4 m/s 2 – 4,5 m²/s
Trak­tor mit Front- u. Seitenmähwerk 4,2 m/s 16 – 25 m²/s
Trak­tor mit CLAAS DISCO 1100 C /RC 5,6 m/s 39 – 45 m²/s
Mäh­auf­be­rei­ter KRONE – BiG M 500 5,6 m/s 56 m²/s
Fut­ter­ern­ter CLAAS – COUGAR 1400 5,8 m/s 61 m²/s

m/s = Meter pro Sekun­de – m2/s = Qua­drat­me­ter pro Sekunde

Eine durch­schnitt­li­che 4½ Zim­mer Woh­nung in Deutsch­land ver­fügt über ca. 120 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che. Um so eine Flä­che zu mähen benö­tig­te ein Trak­tor mit einem Bal­ken­mä­her eine Minute. 
Ein Hoch­leis­tungs-Mäh­auf­be­rei­ter oder Fut­ter­ern­ter wie sie von den ein­zel­nen Her­stel­lern genannt wer­den schafft dies in ledig­lich 2 — 3 Sekunden. 

03. Moder­ne Grünlandbewirtschaftung

Ver­än­de­rung der Grünlandbewirtschaftung

In den 1960er-Jah­ren kam das Vieh in den Mona­ten März / April auf die Wei­de. Nur weni­ge Wie­sen wur­den im Mai gemäht und das Gras in Hoch­si­los ein­ge­bracht. Meis­tens erfolg­te im Früh­som­mer die Heu­mahd und im Hoch- / Spät­som­mer der Schnitt des Grum­mets. Nach dem drit­ten Schnitt kam dann das Vieh noch zum „Nach­wei­den“ auf die Wie­sen. Oft­mals wur­de einer der letz­ten Schnit­te zum Nach­si­lie­ren ver­wen­det, da sich die Hoch­si­los bis dahin ent­spre­chend „gesetzt“ hatten. 
Die Wie­sen und Wei­den wur­den ent­spre­chend den Stand­ort­ge­ge­ben­hei­ten bewirt­schaf­tet. So wur­den auch noch nähr­stoff­ar­me, san­di­ge oder feuch­te Böden aus­gie­big für die Milch­wirt­schaft genutzt. Die Grün­fut­ter­si­la­ge spiel­te in die­ser Zeit noch eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le und wur­de größ­ten­teils nur in den Win­ter­mo­na­ten zugefüttert. 
Im Jah­re 1960 ver­sorg­te ein land­wirt­schaft­li­cher Betrieb in Bay­ern 28 Per­so­nen mit Nah­rungs­mit­teln. Bis zum Jahr 2003 war die­se Per­so­nen­zahl bereits auf 120 ange­wach­sen. Die Fleisch­pro­duk­ti­on in die­sem Zeit­raum ist um 50% gestie­gen und die Milch­leis­tun­gen der Kühe hat­te sich nahe­zu verdoppelt. 
Die nied­rig leis­ten­den Kühe in den 1960er-Jah­ren hat­ten gerin­ge Anfor­de­run­gen an die Grund­fut­ter­gü­te. Jedoch stieg mit der zuneh­men­den Milch­leis­tung auch der Anspruch an die Fut­ter­qua­li­tät. Die­ser Anspruch erfor­der­te ein hoch­wer­ti­ges Grün­fut­ter, mit hoher Ener­gie­dich­te, bei opti­ma­len Schnitt­zeit­punk­ten und Nut­zungs­fre­quenz des Grünlandes. 
In der Milch­wirt­schaft und den Rin­der­mast­be­trie­ben ist mitt­ler­wei­le die Gras­si­la­ge mit einem Anteil von ca.40% die Haupt­fut­ter­grund­la­ge. Das Silie­ren erfolgt inzwi­schen über­wie­gend in Fahr­si­los oder in dicht gepress­ten, mit Folie gewi­ckel­ten Ballen. 

Anspruch an die Futterqualität

Für eine hohe Fut­ter­qua­li­tät muss der Schnitt­zeit­punkt in das güns­tigs­te Rei­festa­di­um des Grün­lan­des gelegt wer­den. Die­ser liegt kurz vor dem Ähren- / Ris­pen­schie­ben der Haupt­be­stands­bild­ner. Die Wuchs­hö­he beträgt dann in etwa zwi­schen 25 und 40 cm. 
Ent­schei­dend für eine gute Sila­ge­qua­li­tät ist auch der Zucker­ge­halt des Sila­ge­gu­tes. Nur wenn die­ser im Schnitt­gut aus­rei­chend hoch ist, ver­läuft der Gär­pro­zess ide­al. Der Zucker­ge­halt in den Grä­sern ist mor­gens gerin­ger als abends. 
Dies liegt dar­an, dass die Pflan­zen nachts Zucker für ihr Wachs­tum ver­brau­chen und die­sen erst wie­der bei Tages­licht (Pho­to­syn­the­se) nach­pro­du­zie­ren. Daher ist ein Schnitt­zeit­punkt gegen Mit­tag, oder am frü­hen Nach­mit­tag, für die Sila­ge­pro­duk­ti­on als ide­al anzusehen. 
Die Haupt­setz­zeit unse­res Reh­wil­des fällt in die Mona­te Mai / Juni. Wäh­rend vor eini­gen Jahr­zehn­ten die ers­te Mahd über­wie­gend im Früh­som­mer (Mit­te Juni — Mit­te Juli) statt­fand, wer­den heut­zu­ta­ge die Wie­sen in der Setz­zeit der Rehe zwei­mal gemäht. 
Das bedeu­tet unwei­ger­lich: Durch die Ver­än­de­rung von Ern­te­ver­fah­ren und Grün­land­be­wirt­schaf­tung, muss der Wild­ret­tung mitt­ler­wei­le eine wesent­lich höhe­re Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den als das noch vor eini­gen Jah­ren der Fall war!

04. Ist eine akti­ve Kitz­ret­tung nötig?

Zeit­ge­mä­ße Grünlandbewirtschaftung

Eine moder­ne Mäh­ma­schi­ne, egal ob Trak­tor mit Mäh­wer­ken, Mäh­auf­be­rei­ter oder ein Fut­ter­ern­ter, arbei­tet heu­te mit einer Mäh­ge­schwin­dig­keit von 4,2 m/s – 5,8 m/s. Das Gesamt­ge­wicht die­ser Maschi­nen kann bis zu 18,5 Ton­nen betragen. 

Um die­ses Fahr­zeug wäh­rend der Fut­ter­ern­te sicher zum Ste­hen zu brin­gen ist ein Anhal­te­weg (Reak­ti­ons­weg zzgl. Brems­weg) von min­des­tens 15 Metern nötig.

Schematische Darstellung - Anhalteweg Mähmaschine
Ein Reh­kitz in einer Wie­se mit hohem Gras zu ent­de­cken ist, wie Bild 1 deut­lich zeigt, selbst vom erhöh­ten Füh­rer­stand einer Mäh­ma­schi­ne aus sehr schwie­rig. Eine Halm­hö­he mit über 40 cm, was bei der ers­ten Mahd im Mai nicht beson­ders unge­wöhn­lich ist, ver­birgt das Kitz nahe­zu vollständig. 
Nur unter idea­len Bedin­gun­gen ist über­haupt eine Ent­de­ckung vom Füh­rer­haus aus mög­lich. Aber selbst dann ist das Reh­kitz nur ca. 7 Meter vom Fahr­zeug­füh­rer ent­fernt. Unter Abzug aller Vor­bau­ten – wie z.B. ein Front­mäh­werk – ver­blei­ben dem Fahr­zeug­füh­rer maxi­mal 3 Meter um reagie­ren und anhal­ten zu können. 

Reak­ti­ons- und Bremsweg

Grünfutterernte mit zwei unterschiedlichen Mähmaschinen aus der Vogelperspektive
Ein Hoch­leis­tungs-Mäh­auf­be­rei­ter oder Fut­ter­ern­ter (Bild 2) ver­fügt über Front- sowie lin­ke und rech­te Sei­ten­mäh­wer­ke. Ein Trak­tor (Bild 3) wird zur Mahd übli­cher­wei­se mit einem Front- und einem, meist rechts ange­brach­ten Sei­ten­mäh­werk eingesetzt. 
Die Bil­der zei­gen die Grün­fut­ter­ern­te mit zwei unter­schied­li­chen Mäh­ma­schi­nen aus der Vogel­per­spek­ti­ve. Die­se bewe­gen sich dabei von links nach rechts. Die schat­tier­te halb­mond­för­mi­ge Flä­che zeigt das Sicht­feld des Fah­rers (gem. Bild 1). Die Fahr­zeu­ge mähen hier­bei mit einer durch­aus übli­chen Geschwin­dig­keit von min. 15 km/h (4,2m/s).
Selbst wenn das Kitz vom Fah­rer wahr­ge­nom­men wird, muss das Fahr­zeug noch bis zum Still­stand abge­bremst wer­den. Bis dann die Maschi­ne letzt­end­lich steht, wird noch der Reak­ti­ons­weg ca. 5m (hell­ro­ter Bereich) und der Brems­weg ca. 10 Meter (dun­kel­ro­ter Bereich) durchfahren. 
Kei­ne Über­le­bens­chan­ce haben alle Tie­re die sich vor den Krei­sel­mäh­wer­ken befin­den. Wie die Bil­der ein­deu­tig zei­gen kön­nen, auch wenn ein Reh­kitz oder Hase vom Fah­rer wahr­ge­nom­men wird, weder ein Hoch­leis­tungs-Mäh­auf­be­rei­ter noch ein Trak­tor recht­zei­tig ange­hal­ten werden. 

05. Sind die Mäh­tech­ni­ken hilfreich?

Von innen nach außen mähen

Von innen nach außen mähen, lau­tet eine häu­fi­ge Emp­feh­lung die man auf die Fra­ge nach einer geeig­ne­ten Wild­ret­tungs­me­tho­de erhält. Dazu soll­te der Land­wirt sofort in das Inne­re der Par­zel­le fah­ren und dann spi­ral­för­mig nach außen mähen. 
Schematische Darstellung der Mähmethode mit Mittelparzelle
Schematische Darstellung der Mähmethode ohne Mittelparzelle
War­um die­se Mäh­me­tho­de Vor­tei­le brin­gen soll wird klar, wenn man sich mit dem Ver­hal­ten des Wil­des beschäftigt. 
Alle Wild­ar­ten die übli­cher­wei­se in der Deckung leben, wer­den es auch im Fal­le einer Flucht ver­mei­den, über eine offe­ne Flä­che lau­fen zu müs­sen. Bei der her­kömm­li­chen Mäh­me­tho­de – von außen nach innen – wird jedoch eine sol­che Flä­che geschaf­fen. Das führt unwei­ger­lich dazu, dass sich das Wild instink­tiv immer mehr zur inne­ren, ver­blei­ben­den Flä­che der Wie­se zurück­zie­hen wird. 
Jedoch ist die­se Metho­de nur noch bedingt ver­läss­lich, da die Mäh­ge­schwin­dig­kei­ten sowie die Flä­chen­leis­tun­gen der Mäh­ma­schi­nen stän­dig zuneh­men. So stampf­te zur Zeit des Bal­ken­mä­hers der Trak­tor mit 5 km/h durch die Wie­se. Dabei mäh­te man einen Strei­fen mit ca. 2 Metern. Heu­te don­nern Hoch­leis­tungs­mäh­ma­schi­nen mit mehr als 20 km/h durchs Gelän­de und hin­ter­las­sen eine bis zu 14 Meter brei­te Mahd. Selbst aus­ge­wach­se­nen Rehe kön­nen vor die­sen Unge­tü­men nicht mehr recht­zei­tig flüchten. 
Die­se Mäh­tech­nik stammt aus der Zeit der Bal­ken­mäh­wer­ke und hat­te auch noch in den Anfän­gen der Krei­sel­mäh­tech­nik eine gewis­se Daseins­be­rech­ti­gung. Heu­te hin­ge­gen ist sie auf­grund der hohen Flä­chen­leis­tun­gen der Mäh­wer­ke nicht mehr zeit­ge­mäß. Wer immer noch auf die­se Metho­de schwört, ver­schließt die Augen vor der Realität. 

Mäh-Knig­ge zur Wildrettung

Die Baye­ri­sche Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft hat die wich­tigs­ten Emp­feh­lun­gen zum The­ma Wild­tier­ret­tung für die ver­ant­wort­li­chen Bewirt­schaf­ter im LfL-Mäh­knig­ge zusammengefasst. 
In die­ser LfL-Infor­ma­ti­on sind die wich­tigs­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen, Schnitt­zeit­punk­te und Mäh­tech­ni­ken für Land­wir­te über­sicht­lich beschrieben. 

Zuver­läs­sig­keit der Mähmethoden

Kei­ner­lei Wir­kung haben Mäh­me­tho­den bei jün­ge­ren Reh­kit­zen, da die­se erst im Alter von 2–4 Wochen selbst in der Lage sind, vor ihren „Fein­den“ selbst­stän­dig zu flüchten. 
Lohn­mä­her mit ihren Maschi­nen wer­den nach der gemäh­ten Flä­che ver­gü­tet. Hier spielt der Zeit­fak­tor die ent­schei­den­de Rol­le. Für Ethik bleibt dabei wenig Zeit. So wird der Unter­neh­mer die Flä­che sicher­lich so bewirt­schaf­ten, dass er die­se in mög­lichst kur­zer Zeit abmä­hen kann. 
Das bedeu­tet unwei­ger­lich: Man muss bereits im Vor­feld dafür sor­gen, dass sich mög­lichst kei­ne Wild­tie­re mehr in den zu mähen­den Flä­chen befinden!

06. Abstim­mung der Mähtermine!

Mäh­ter­mi­ne absprechen

Wie­sen die­nen vie­len Wild­ar­ten als Kin­der­stu­be. Rehe, Hasen und in der Wie­se brü­ten­de Vögel nut­zen das Gras als Schutz und Deckung für ihre Jung­tie­re. Dies macht sie natür­lich auch für die Land­wir­te nahe­zu unsichtbar. 
Im Früh­jahr, wenn die Vege­ta­ti­on fort­schrei­tet, soll­ten Land­wir­te und Jäger schon ein­mal dar­an den­ken, Maß­nah­men zu ergrei­fen, um gera­de die Jung­tie­re bei der bevor­ste­hen­den Mahd zu schützen. 
Wenn mög­lich, soll­te der ers­te Schnitt die in der Wie­se vor­kom­men­den Wild­ar­ten berück­sich­ti­gen. Bei einem hohen Vor­kom­men von Wie­sen­brü­tern ist es güns­tig, den ers­ten Schnitt auf Mit­te Juli zu legen, da bis dahin die Haupt­brut­zei­ten die­ser Vögel been­det sind. 
In Berei­chen mit gerin­gen Wie­sen­brü­ter­vor­kom­men, ist es för­der­lich, den ers­ten Schnitt vor dem 10. Mai durch­zu­füh­ren. Dies hilft Mäh­ver­lus­te beim Reh­wild zu ver­mei­den, da vor die­sen Ter­min nur weni­ge Kit­ze gesetzt werden. 
Nor­ma­ler­wei­se soll­te es heut­zu­ta­ge üblich sein, dass die Land­wir­te den Revier­in­ha­ber infor­mie­ren, bevor sie mit dem Mähen begin­nen. Trotz­dem ist es lei­der nicht immer so. Doch ohne eine vor­he­ri­ge Abspra­che mit den Land­wir­ten wäh­rend der Mahd ist weder eine Kitz­su­che noch ein geziel­tes Beun­ru­hi­gen des Wil­des möglich. 
Eini­ge Unein­sich­ti­ge die glau­ben, umsich­ti­ges Mähen sei genug, wird es noch län­ger geben. Hier ist die beharr­li­che Initia­ti­ve der Revier­in­ha­ber und Jäger gefragt. Sie müs­sen immer wie­der auf die­sen Per­so­nen­kreis ein­wir­ken. Die­se Men­schen müs­sen mit Argu­men­ten und nicht mit dro­hen­den Wor­ten über­zeugt werden. 
Hilf­reich sind hier die Hin­wei­se auf ein unver­dor­be­nes Fut­ter für das Milch­vieh sowie die Ver­mei­dung von Krank­hei­ten wie Botu­lis­mus. Falsch ist es sicher­lich mit Gerichts­ur­tei­len und zu erwar­ten­den Geld­stra­fen zu argu­men­tie­ren. Die­se Aus­sa­gen wür­den die Fron­ten nur unnö­tig verhärten. 

Zusam­men­ar­beit von Land­wir­ten und Jägern

Nur eine enge Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Land­wir­ten, Jägern und ande­ren frei­wil­li­gen Hel­fern macht eine effek­ti­ve Wild­ret­tung mög­lich. Je eher die Mäh­ter­mi­ne allen Betei­lig­ten bekannt sind, umso grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit die Mäh­ver­lus­te so gering wie mög­lich zu hal­ten und einen wich­ti­gen Bei­trag zum Tier­schutz zu leisten. 

Viel­fach bewährt hat es sich, wenn Land­wir­te, Jäger und alle ande­ren frei­wil­li­gen Hel­fer gemein­sam Mäh­ter­mi­ne und Wild­ret­tungs­ak­tio­nen koor­di­nie­ren. Dabei muss aber jedem bewusst sein, dass sich die­se Ter­mi­ne nicht wochen­lang im Vor­aus pla­nen las­sen – da die Wet­ter­la­ge einen hohen Unsi­cher­heits­fak­tor beinhaltet.

07. Wild­ret­tung ist Tierschutz!

Sobald die Land­wir­te im Früh­jahr ihre Wie­sen mähen, beginnt für die Wild­tie­re, eine gefähr­li­che Zeit. Wäh­rend der Mahd ster­ben nach Schät­zun­gen der Deut­schen Wild­tier­stif­tung zur Fol­ge allein in Deutsch­land über 500.000 Tie­re. Dar­un­ter befin­den sich allein 100.000 Rehkitze. 
Die Reh­geiß / Ricke setzt ihre, meist zwei Kit­ze ins hohe Gras und sucht die­se wäh­rend den ers­ten Lebens­ta­gen nur kurz zum Säu­gen und Säu­bern auf. Dies fin­det in den ers­ten Lebens­ta­gen durch­schnitt­lich alle zwei Stun­den statt. In Abwe­sen­heit der Reh­geiß / Ricke drü­cken sich die Reh­kit­ze auf den Boden und sind, dank ihres gefleck­ten Fells und durch den feh­len­den Eigen­ge­ruch, gegen natür­li­che Fein­de sehr gut geschützt. 
Zwar begin­nen die neu­ge­bo­re­nen Reh­kit­ze bereits 20 Minu­ten nach der Geburt mit ihren ers­ten Geh­ver­su­chen, jedoch kön­nen sie erst nach etwa zwei Tagen rich­tig lau­fen. Erst im Alter von unge­fähr drei Tagen begin­nen die Reh­kit­ze damit, ihrer Mut­ter über wei­te­re Distan­zen zu folgen. 
Die­se Eigen­schaf­ten wer­den den Reh­kit­zen wäh­rend der Mahd zum töd­li­chen Ver­häng­nis. Erst im Alter von zwei bis vier Wochen sind die Reh­kit­ze selbst­stän­dig in der Lage vor ihren „Fein­den“ zu flüch­ten. Daher wer­den sie zu oft durch die Mes­ser der Mäh­ma­schi­nen getö­tet oder schwer ver­letzt, da die Tie­re im hohen Gras nicht oder zu spät erkannt werden. 
Die Tie­re vor dem Mäh­tod zu bewah­ren ist ange­wand­ter Tier­schutz. Dabei schwört jeder auf eine ande­re Vor­ge­hens­wei­se. Doch wel­che Metho­de dazu geeig­net ist, ist häu­fig umstrit­ten. Jedoch haben die ein­zel­nen Metho­den eines gemein­sam – jede für sich ist bes­ser als gar nichts zu unternehmen. 

08. Bes­ser Suchen oder Scheuchen?

Die­se Fra­ge kann nicht pau­schal beant­wor­tet wer­den. Alle nach­fol­gend auf­ge­zeig­ten Metho­den haben ihre Stär­ken und Schwä­chen. Ihr Ein­satz ist nicht nur Gelän­de- und Bewuchs­ab­hän­gig, son­dern die Reiz­schwel­le des Wil­des hat auch einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf den Erfolg. 
Gene­rell kann man davon aus­ge­hen, dass ins­be­son­de­re der Zeit­punkt der bevor­ste­hen­den Mahd die Maß­nah­me bestimmt. So kann es durch­aus auch sinn­voll sein, meh­re­re Metho­den zu kombinieren. 
Ein Absu­chen der Wie­sen, einen oder meh­re­re Tage vor der Mahd – auch mit ei­nem Hund, hat meis­tens kei­nen nachhalti­gen Erfolg. Da in unse­rer Zivi­li­sa­ti­on stän­dig und bei­na­he über­all Beun­ru­hi­gun­gen durch Men­schen – auch zusam­men mit ihren Hun­den all­ge­gen­wär­tig sind. 
Das Auf­stel­len von Wild­scheu­chen ist nur dann sinn­voll, wenn dies min­des­tens einen Tag vor der Mahd erfol­gen kann. Der Ein­satz am Tag der Mahd führt kei­nes­falls zum gewünsch­ten Erfolg, da eine kur­ze Auf­stel­lungs­zeit einer Reh­geiß nicht aus­reicht, ihr Kitz aus der Wie­se zu führen. 

09. Metho­den zur Kitzsuche

Ein zur Kitzsuche geeigneter Hund hat ein Rehkitz gefunden

Klas­si­sche Methode

Das klas­si­sche Vor­ge­hen ist das Abge­hen der Wie­sen. Da dies mög­lichst zeit­nah zum Mahdbe­ginn erfol­gen muss, ist dazu ein erheb­li­cher Per­so­nen­ein­satz not­wen­dig. Der Ein­satz eines geeig­ne­ten Hun­des kann dabei sehr hilf­reich sein. Jedoch fin­det ein Hund auch nicht alle Reh­kit­ze da die­se, als höchst­mög­li­chen Schutz vor ihren Fress­fein­den, in den ers­ten Tagen völ­lig geruch­los sind. 
Früh­mor­gens liegt noch der Tau auf den Wie­sen. Dar­an soll­te man bei der Aus­wahl der Klei­dung den­ken. Gera­de das Schuh­werk und die Hosen soll­ten mög­lichst was­ser­dicht sein. Aber nicht nur Reh­kit­ze sind in den Wie­sen zu fin­den, son­dern auch Zecken. Die Zecken über­tra­gen Krank­hei­ten wie Früh­som­mer-Menin­go­en­ze­pha­li­tis (FSME) oder Bor­re­lio­se. Um einen Zecken­biss zu ver­mei­den ist es sinn­voll, die Hosen­bei­ne fest zu ver­schie­ßen und ent­spre­chen­de Anti­ze­cken­mit­tel auf die Haut aufzutragen. 
Die Abstän­de zwi­schen den suchen­den Per­so­nen darf, je nach Bewuchs­dich­te, nicht mehr als ein bis drei Metern betra­gen. Als sehr effek­tiv haben sich mit­ge­führ­te Stä­be zum Anhe­ben von lie­gen­dem Gras erwie­sen. Gera­de unter die­sen sind sehr häu­fig Reh­kit­ze zu finden. 
Eine Reihe von freiwilligen Helfern durchsucht eine Wiese

Ein­fan­gen und Ver­wah­ren von Kitzen

Zum Ein­fan­gen der Kit­ze ist der Ein­satz eines Käs­chers sehr hilf­reich. Bereits weni­ge Tage alte Reh­kit­ze flüch­ten vor ihren ver­meid­li­chen Ret­tern. Die Flucht führt oft­mals wie­der in die bereits abge­such­te Flä­che zurück. Mit dem Käs­cher kön­nen die Kit­ze gefan­gen wer­den, ohne die Kit­ze zu ver­let­zen oder mit den blo­ßen Hän­den zu berühren. 
Bevor man die Kit­ze „auf­nimmt“ soll­te man sich zunächst die Hän­de mit aus­ge­ris­se­nem Gras gut abrei­ben. Die Reh­kit­ze selbst müs­sen auf jedem Fall mit einem gro­ßen Gras­bü­schel auf­ge­ho­ben und getra­gen wer­den. Wich­tig ist es eben­falls, die Kit­ze wäh­rend der Mahd sicher zu ver­wah­ren. Ansons­ten besteht die Gefahr, dass sie wie­der an den Platz zurück­lau­fen, an dem sie von der Reh­geiß / Ricke abge­legt wurden. 
Zum Ver­wah­ren der Kit­ze eig­nen sich sta­bi­le Behäl­ter aus Pap­pe, Holz oder Kunst­stoff. Unbe­dingt ist dar­auf zu ach­ten, dass die dar­in ver­wahr­ten Reh­kit­ze genü­gend Luft bekom­men. Das Behält­nis muss im Schat­ten abge­stellt wer­den. Dabei ist dar­auf zu ach­ten, dass die Abschat­tung für den gesam­ten Zeit­raum der Ver­wah­rung gege­ben ist. Eine direk­te Son­nen­ein­strah­lung auf den Behäl­ter kann zum Tod des Reh­kit­zes füh­ren. Nach der Mahd wer­den die Kit­ze ein­fach wie­der an Ort und Stel­le freigelassen. 

Kitz­ret­tung mit Infra­rot / Wärmebild

Elek­tro­ni­sche Such­ge­rä­te arbei­ten mit Wär­me­bild­ka­me­ras, Pyro- oder Infra­rot­sen­so­ren. Sie kön­nen die abge­ge­be­ne Wär­me­strah­lung eines Kör­pers bzw. Tem­pe­ra­tur­ver­än­de­run­gen detek­tie­ren. Die Gerä­te unter­schei­den sich dabei im Wesent­li­chen in ihrer Handhabung. 
Das hand­ge­führ­te Gerät wird halb­kreis­för­mig hin- und her­ge­schwenkt. Leucht­di­oden zei­gen in einem Anzei­ge­dis­play die Wär­me­quel­le (z.B. Reh­kitz) an. Bei einer Ortung geht man dann — durch das Gerät geführt — auf das Objekt zu. Um bei der Kitz­su­che nicht kreuz und quer durch die Wie­se lau­fen zu müs­sen, soll­te man die­se in Bah­nen abgehen. 
Der trag­ba­re Wild­ret­ter besitzt zehn Sen­sor­ein­hei­ten, die auf einem Tele­skop-Tra­ge­ge­stell ver­teilt sind. Die gesam­te Wir­kungs­brei­te beträgt dabei ca. 6 Meter. Auch hier wird die Flä­che in Bah­nen abge­gan­gen. Dabei wird man durch einen „Spuras­sis­ten­ten“ unter­stützt. Erfolgt eine Ortung, wird die­se nach Sen­sor­ein­heit getrennt, in einem Dis­play angezeigt. 
Der flie­gen­de Wild­ret­ter ist eine fern­ge­steu­er­te Flug­droh­ne. Der V‑förmige Okto­kop­ter trägt dabei eine Wär­me­bild- und Farb­ka­me­ra mit dazu­ge­hö­ri­ger Steu­er­elek­tro­nik. Im Ein­satz wer­den voll­au­to­ma­ti­sier­ba­re Flug­rou­ten mit hoher Flä­chen­leis­tung geflo­gen. Bei ein­fa­chen Umge­bungs­be­din­gun­gen kann die­se bis zu 7 ha / 15 min betra­gen. Jedoch ist in der Pra­xis von einer durch­schnitt­li­chen Flä­chen­leis­tung von ca. 3 – 4 ha / 15 min aus­zu­ge­hen. Die Daten wer­den anschlie­ßend aus­ge­wer­tet und die Posi­tio­nen der Fund­stel­len bestimmt. Die­se wer­den dann mit Hil­fe eines GPS-Emp­fän­gers aufgesucht. 
An ihre Gren­zen sto­ßen alle Such­ge­rä­te aller­dings bei Son­nen­schein. Da durch die Son­nen­ein­strah­lung auch die Umge­bung auf­ge­heizt wird, ist bereits vor­mit­tags die zuver­läs­si­ge Erken­nung der Kit­ze auf­grund der gerin­gen Tem­pe­ra­tur­un­ter­schie­de zwi­schen den Objek­ten, nicht mehr zuver­läs­sig mög­lich. So wer­den auch Kahl­stel­len in der Wie­se, groß­blätt­ri­ge Pflan­zen oder ver­dorr­tes Gras als ver­meint­li­cher Fund interpretiert. 
Auch wenn die bei­den hoch­wer­ti­ge­ren Gerä­te, dank aus­ge­klü­gel­ten Algo­rith­men in den Com­pu­ter­pro­gram­men die Tref­fer­quo­te deut­lich erhö­hen, stei­gen die Fehl­alar­me im Tages­ver­lauf über­pro­por­tio­nal an. Lei­der blei­ben dadurch auch vie­le Kit­ze unentdeckt. 

Tier­schutz­ge­rech­te Ver­wah­rung beachten

Ein gro­ßes Pro­blem stellt die tech­nisch beding­te, gro­ße Zeit­span­ne zwi­schen Auf­fin­den der Reh­kit­ze und der Mahd dar. So ist es durch­aus mög­lich, dass ein Kitz bereits in den frü­hen Mor­gen­stun­den gefun­den wur­de, der Land­wirt die Wie­se aber erst am spä­ten Nach­mit­tag mäht. Dies kann in der Pra­xis durch­aus acht Stun­den und mehr betragen. 
Ein Ver­wah­ren, von gera­de sehr jun­gen Reh­kit­zen, schei­det hier defi­ni­tiv aus, da die­se von der Reh­geiß / Ricke alle zwei Stun­den zum Säu­gen und Säu­bern auf­ge­sucht werden. 
Ein Vier-Stu­fen-Kon­zept soll beim flie­gen­den Wild­ret­ter Abhil­fe schaf­fen. Die Reh­kit­ze sol­len nach dem Auf­fin­den zunächst nur mit einem RFID-Sen­der mar­kiert wer­den. Erst kurz vor der Mahd erfolgt ein erneu­tes Auf­fin­den der Kit­ze mit einem trag­ba­ren oder Maschi­nen­ge­tra­ge­nen Such­ge­rät sowie deren Ver­wah­rung in einem geeig­ne­ten Behältnis. 
Eine gro­ße Fra­ge ist noch die Tier­schutz­recht­li­che Situa­ti­on sowie die des Umwelt­schut­zes. Dür­fen die RFID-Sen­der dau­er­haft z.B. in Form einer Ohr­mar­ke ver­wen­det oder viel­leicht nur auf das „Fell“ des Tie­res fest­ge­klebt wer­den? Was pas­siert mit den aus­ge­dien­ten Sendern. 
Die RFID-Sen­der dür­fen kei­nes­falls als Elek­tro­schrott im Tier­fut­ter oder der Natur enden. Die­ses zu gewähr­leis­ten ist äußerst schwie­rig, da Ohr­mar­ken aus- und auf­ge­kleb­te Sen­der abrei­ßen kön­nen. So ist sehr wahr­schein­lich, dass ein­zel­ne Tie­re und/oder deren Sen­der über­haupt nicht mehr auf­ge­fun­den wer­den können. 
Unge­klärt ist bei die­ser Metho­de der Zeit­raum zwi­schen dem Absu­chen der Flä­che und dem eigent­li­chen Mäh­zeit­punkt. Soll­te dies nicht unmit­tel­bar vor der Mahd statt­ge­fun­den haben, besteht die Mög­lich­keit, dass Reh­gei­ßen zum „Set­zen“ ein­wech­seln oder ihre Kit­ze in die­se Flä­che füh­ren. In die­sem Fall wäre es uner­läss­lich, die Flä­chen mit geeig­ne­ten, tagak­ti­ven Wild­scheu­chen zu ver­se­hen. Nur so ist ein Schutz bis zur Mahd gewährleistet. 

10. Kate­go­rien der Wildscheuchen

Maschi­nen­ge­bun­de­ne Wildretter

Maschi­nen­ge­bun­de­ne mecha­ni­sche Wild­ret­ter zeig­ten alle nicht den gewünsch­ten Erfolg. Vie­le Jah­re wur­den die unter­schied­lichs­ten Appa­ra­tu­ren zum Anbau an Krei­sel­mäh­wer­ken getes­tet. Egal ob Ket­ten, Kunst­stoff- oder Metall­re­chen — bei der Kitz­ret­tung waren die­se nahe­zu wir­kungs­los. Oft­mals wur­den die Tie­re durch die­se Vor­rich­tun­gen ernst­haft ver­letzt. Bei den heu­ti­gen Mäh­brei­ten fin­den die­se Gerä­te glück­li­cher­wei­se kei­ne Anwen­dung mehr. 
Maschi­nen­ge­bun­de­ne akus­ti­scher Wild­ret­ter / Wild­schreck, wer­den an den Mäh­wer­ken mon­tiert und sol­len die zu mähen­de Flä­che vor­ei­lend beschal­len und so die Reh­kit­ze zum Flüch­ten bewe­gen. In der Pra­xis las­sen sich dadurch aller­dings kei­ne Kit­ze ret­ten die noch nicht über ihren natür­li­chen Flucht­in­stinkt – der erst im Alter von zwei bis vier Wochen ein­setzt – ver­fü­gen. Die Gerä­te erzeu­gen ledig­lich in der Fahr­zeug­ka­bi­ne ein unan­ge­neh­mes Geräusch, sind aber zur Kitz­ret­tung nahe­zu unbrauchbar. 

Blin­k­lam­pen zur Wildrettung

Blin­k­lam­pen gibt es in unter­schied­li­chen For­men und Grö­ßen. Sie die­nen nor­ma­ler­wei­se zur Absi­che­rung von Bau- und Gefah­ren­stel­len. Der Reflek­tor die­ser Lam­pen ist meist gelb oder oran­ge eingefärbt. 
Die­se Far­ben wer­den vom Reh­wild nicht als Stör­fak­tor emp­fun­den, da es ein ande­res Farb­emp­fin­den als der Mensch hat. Unser Reh­wild emp­fin­det vor allen Blau­tö­ne als Signal­far­ben. Rot­tö­ne hin­ge­gen wer­den ledig­lich grün­lich-grau wahr­ge­nom­men. Die­se Metho­de kann in abge­le­ge­nen, ruhi­gen Revier­tei­len durch­aus Wir­kung zei­gen. In Zivi­li­sa­ti­ons- oder Stra­ßen­nä­he ist unser Wild an die­se Licht­rei­ze gewöhnt. Hier wird durch das allei­ni­ge Aus­brin­gen die­ser Leuch­ten kei­nes­wegs genug getan. 

Ver­blen­den / Verstänkern

Plas­tik­sä­cke auf Stan­gen rascheln bereits bei leich­tem Wind. Alu­mi­ni­um­strei­fen oder Ret­tungs­de­cken reflek­tie­ren zusätz­lich noch ein­fal­len­des Licht. Dies ist gera­de in der Nähe von Stra­ßen ein zusätz­li­cher Stör­fak­tor. Jedoch ist die Inten­si­tät der Beun­ru­hi­gung im Wesent­li­chen von den Wind­ver­hält­nis­sen und dem Tages­licht abhän­gig. Schlaff an den Stan­gen her­ab­hän­gen­de Säcke wer­den vom Reh­wild als wenig stö­rend emp­fun­den, daher ist der Erfolg schwer kal­ku­lier­bar. In einer wind­stil­len Nacht zei­gen sie kei­ner­lei Wirkung. 
Mit Duft­stof­fen getränk­te Filz­de­pots täu­schen den Reh­gei­ßen natür­li­che Fein­de vor. Zusätz­li­che Alu­mi­ni­um­strei­fen rascheln im Wind und füh­ren so zu einer wei­te­ren Beun­ru­hi­gung. Beim Auf­stel­len der Scheu­chen muss dar­auf geach­tet wer­den, dass die­se nicht zu nahe an den Deckungs­flä­chen (z.B. Wald­rand) ste­hen. Hier wür­de man eine künst­li­che Bar­rie­re schaf­fen, die das gewünsch­te Ein­wech­seln in die­se Gebie­te hem­men wür­de. Kurz­fris­tig vor der Mahd auf­ge­stell­te Scheu­chen ber­gen außer­dem die gro­ße Gefahr, dass sich die Reh­gei­ßen / Ricken über einen län­ge­ren Zeit­raum nicht in die Nähe des „Fein­des“ und somit ihrer Kit­ze wagen. 

Optisch-akus­ti­sche Kitzretter

Optisch-akus­ti­sche Kitz­ret­ter, wie unser Reh­kitz­ret­ter-Wild­ret­ter LS01, arbei­ten mit Licht- und Ton­si­gna­len. Die­se spre­chen den Gehör- und Gesichts­sinn des Reh­wil­des an. Durch Dau­er- und Inter­vall­tö­ne zie­hen die­se Gerä­te zunächst die Auf­merk­sam­keit der Reh­geiß auf sich. Ein spe­zi­ell auf das Farb­emp­fin­den des Wil­des abge­stimm­tes Blink­licht, löst dann den Flucht­re­flex aus. 
Genü­gend lan­ge Pau­sen zwi­schen den Ver­grä­mungs­pe­ri­oden (Kon­ti­nui­täts­prin­zip) geben der Reh­geiß / Ricke genü­gend Zeit, um wie­der zurück­zu­keh­ren und ihre Kit­ze an einen ande­ren Ort zu füh­ren. Die geziel­te Beun­ru­hi­gung erfolgt kon­ti­nu­ier­lich im Nacht- und Tag­be­trieb, so kann sicher­ge­stellt wer­den, dass am Tag das Wild nicht erneut in die zu mähen­de Flä­che ein­wech­selt. Dies ist gera­de bei der Sila­ge­pro­duk­ti­on von ent­schei­den­der Bedeu­tung, da dabei die Mäh­zeit­punk­te erst in den frü­hen Nach­mit­tag fallen. 
Wild­scheu­chen soll­ten am bes­ten zwei Tage vor der Mahd aus­ge­bracht wer­den, da die Reh­kit­ze erst im Alter von ca. 2 Tagen ihrer Mut­ter fol­gen kön­nen. Wei­ter­hin wird dadurch ver­hin­dert, dass Reh­gei­ßen ihre Kit­ze in die zu mähen­de Flä­che „set­zen“.

11. Vor­ge­hens­wei­sen kombinieren!

Unter­su­chun­gen zu Rettungsmethoden

Wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen zu den ver­schie­de­nen Metho­den der Reh­kitz­ret­tung gibt es mitt­ler­wei­le vie­le. In die­sen Arbei­ten wer­den die gän­gi­gen Vor­ge­hens­wei­sen zur Jung­wild­ret­tung mit­ein­an­der ver­gli­chen und ent­spre­chend bewer­tet. Wenn man aller­dings die ein­zel­nen Stu­di­en gegen­über­stellt, muss man fest­stel­len, dass sich die Bewer­tung der jeweils unter­such­ten Metho­de häu­fig im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich unterscheidet. 
Ursäch­lich hier­für sind mit hoher Wahr­schein­lich­keit die unter­schied­li­chen vor­herr­schen­den regio­na­len Bedin­gun­gen, die bei den Erhe­bun­gen herrsch­ten. Die Flo­ra und Fau­na sowie wei­te­re Rand­be­din­gun­gen der Unter­su­chun­gen las­sen sich nicht aus­nahms­los ver­ein­heit­li­chen und para­me­tri­sie­ren. Den­noch geben die Ergeb­nis­se der Arbei­ten einen Auf­schluss über die Wirk­sam­keit der unter­schied­li­chen Vorgehensweisen. 
Her­stel­ler von Land­tech­nik for­schen seit Jah­ren an Assis­tenz­sys­te­men zum Schutz von Wild­tie­ren. Ers­te Ver­su­che eines mit opti­schen Sen­so­ren aus­ge­stat­te­ten Sys­tems (Front- und Heck­mäh­werk) wur­den, wenn auch mit deut­lich redu­zier­ter Mäh­ge­schwin­dig­keit, bereits erfolg­reich durch­ge­führt. Das Mäh­sys­tem funk­tio­niert, nach Aus­sa­ge des Her­stel­lers, bei Tag und Nacht. Aller­dings wird bei die­sem Sys­tem auch die Höhe des Bewuch­ses eine ent­schei­den­de Rol­le spie­len, da die Sen­so­ren auf die „Fell­far­be“ des Reh­kit­zes reagieren. 
Ein per­fek­ter Kitz­ret­ter, der in der Anwen­dung eine 100%ige Erfolgs­quo­te auf­weist, wird wohl in nächs­ter Zeit nicht zu rea­li­sie­ren sein. Auf ein Sys­tem zu war­ten, das nahe­zu abso­lut feh­ler­frei funk­tio­niert gibt kei­nen Sinn, da die bereits jetzt erhält­li­chen Gerä­te auch schon sehr hohe Erfolgs­quo­ten aufweisen. 

Der Mäh­zeit­punkt bestimmt die Methode.

Der Mäh­zeit­punkt bestimmt die Metho­de. Für alle tech­ni­schen Hilfs­mit­tel müs­sen die Vor­aus­set­zun­gen für deren Wirk­sam­keit gege­ben sein. Wird über die anste­hen­de Mahd erst weni­ge Stun­den vor­her mit Jägern und ande­ren frei­wil­li­gen Hel­fern gespro­chen, sind die Mög­lich­kei­ten zur Reh­kitz­ret­tung sehr beschränkt. 
Die Vor­tei­le von klas­si­schen Scheu­chen oder tech­ni­schen Gerä­ten sind bei sehr kurz­fris­tig ange­setz­ten Mäh­ter­mi­nen nicht mehr gege­ben. Die­se benö­ti­gen ent­we­der ein paar Tage Vor­lauf­zeit oder bestimm­te Temperaturbedingungen. 
Weni­ge Stun­den vor der Mahd ange­setz­te Ret­tungs­ak­tio­nen kön­nen nur mit dem klas­si­schen Vor­ge­hen des Abge­hens der Wie­se rea­li­siert wer­den. Die­se Metho­de ist meist mit einem hohen Per­so­nen­ein­satz ver­bun­den. Wei­ter­hin ist es hier essen­ti­ell, dass sich der Land­wirt an die Emp­feh­lun­gen bei der Mahd „Mäh-Knig­ge“ hält, nur so kön­nen die Ver­lus­te bei den Kit­zen mög­lichst klein gehal­ten werden. 
Am Abend vor der Mahd kom­mu­ni­zier­te Mäh­ter­mi­ne sind zwar immer noch nicht ide­al, bie­ten aller­dings schon bes­se­re Aus­sich­ten auf einen hohen Erfolg. Dies ermög­licht den Ein­satz von elek­tro­ni­schen Wild­scheu­chen und trag­ba­ren oder flie­gen­den Wildrettern. 
Idea­ler­wei­se sind die Mäh­ter­mi­ne min­des­tens zwei, bes­ser drei bis vier Tage im Vor­aus bekannt. Früh­zei­tig auf­ge­stell­te elek­tro­ni­sche Wild­scheu­chen „ver­grä­men“ nicht nur Reh­gei­ßen / Ricken, son­dern ver­hin­dert auch, dass die­se zum Set­zen in die zu mähen­de Flä­che einwechseln. 

Effi­zi­en­te Kom­bi­na­ti­on von Methoden

Hoch­ef­fi­zi­ent, sowohl beim Ret­tungs­er­folg als auch bei den „Ret­tungs­kos­ten“ ist es, elek­tro­ni­sche Reh­kitz­ret­ter sowie flie­gen­de Wild­ret­ter (Droh­ne mit Wär­me­bild­ka­me­ra) zu kom­bi­nie­ren. Durch das früh­zei­ti­ge Aus­brin­gen der elek­tro­ni­schen Wild­ret­ter sind im Ide­al­fall kei­ne Reh­kit­ze mehr in der zu mähen­den Flä­che. So kann der Zeit- und Per­so­nal­in­ten­si­ve Ein­satz der Droh­ne enorm redu­ziert wer­den. Gleich­zei­tig ermög­licht es den Droh­nen­pi­lo­ten und sei­nem Team mög­lichst vie­le Flä­chen in der begrenzt zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit in den Mor­gen­stun­den abzu­ar­bei­ten. Die Berei­che um Hoch­span­nungs­lei­tun­gen etc. die von der Droh­ne nicht beflo­gen wer­den kön­nen, soll­ten ent­we­der mit der klas­si­schen Metho­de oder mit einem trag­ba­ren Wild­ret­ter zusätz­lich abge­sucht wer­den. In der Flä­che ver­blei­ben­de elek­tro­ni­sche Reh­kitz­ret­ter schüt­zen die Wie­se bis zur Mahd. 
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