Tierschutz im Grünland

Von Gerhard Pumm (LARS-Wildrettungssysteme) | 17. März 2008
Aktualisiert: 21. Februar 2026
Tierschutz im Grünland - Die Mahd im Wandel der Zeit, Effiziente Methoden zur Kitzrettung

01. Die Mahd im Wandel der Zeit

Die Entstehung der Mahd

Der Begriff „Mahd“ entstand um das Jahr 1300. Unter Mähen versteht man das Abschneiden von Gras oder Getreide. Ursprünglich erfolgte dies mit einer Sichel oder Sense und war daher mit erheblicher Handarbeit verbunden. test

Schon zu Zeiten der Sense gab es in Europa einen heute nahezu ausgestorbenen Beruf: den Erntehelfer. Der sogenannte Schnitter (Mäher) war ein saisonaler Wanderarbeiter, der im Sommer von Bauer zu Bauer zog und seine Arbeitskraft anbot. Dabei kamen ihm die unterschiedlichen Reifezeiten der Getreidesorten und Felder zugute. In unseren Breitengraden hat dieser Beruf heute keine Bedeutung mehr.

Eine Vielzahl technischer Erfindungen führte im Laufe der Zeit zu einer enormen Arbeitserleichterung. Bereits 1834 meldete Cyrus McCormick eine Getreidemähmaschine zum Patent an. Der sogenannte „Virginia-Reaper“ war mit Fingern und einem Sägemesser ausgestattet. Durch die Weiterentwicklung des Sägemessers zu Dreiecksklingen wurde einige Jahre später auch das Mähen von feinerem Gras möglich. Die erste Grasmähmaschine wurde 1851 in London vorgestellt.

Da diese Maschinen im Vergleich zur menschlichen Arbeitskraft sehr teuer waren, konnten sie sich in Europa zunächst nicht durchsetzen. Erst als viele Tagelöhner in die Industrie abwanderten, stieg die Nachfrage nach mechanischen Mähgeräten. Diese wurden lange Zeit von Arbeitstieren gezogen, wobei der Antrieb des Mähwerks über die Räder durch Bodenkontakt erfolgte.

Allerdings erforderten diese Geräte einen erheblichen Kraftaufwand. Meist waren zwei Pferde oder Zugochsen notwendig. Für kleinere Betriebe, die lediglich über Arbeitskühe verfügten, blieb eine solche Anschaffung oft unerreichbar.

Entwicklung von Benzinmotoren

Einen entscheidenden Fortschritt brachte die Entwicklung von Benzinmotoren. Nun übernahm ein Motor den Antrieb des Mähwerks und machte den Einsatz von Zugtieren überflüssig. Bereits 1916 produzierte die Schweizer Firma AEBI die Pferdezug- und Automobilmähmaschine „Helvetia“.

Schon 1906 entwickelte Henry Ford einen Kleinschlepper, aus dem 1917 ein Traktor hervorging, der bereits die bis heute gültigen Grundprinzipien wie Blockbauweise und geringes Gewicht vereinte.

In den folgenden Jahren wurden Traktoren vieler Hersteller mit Nebenabtrieben wie Zapfwelle, Riemenscheibe oder Mähwerkkurbel ausgestattet. Dadurch wurde der Einsatz von Anbaumähbalken möglich.

Diese Mähbalken erwiesen sich jedoch häufig als störanfällig. Es konnte nur mit geringer Geschwindigkeit gearbeitet werden, und liegendes oder nasses Gras führte oft zu einem Verklemmen der Messer.

Mit der Entwicklung der Kreiselmähwerke im Jahr 1963 und der gleichzeitigen Leistungssteigerung der Traktoren nahm die Bedeutung der Mähbalken deutlich ab. Dennoch haben Balkenmähwerke auch heute noch ihre Berechtigung und sind in bestimmten Einsatzbereichen unverzichtbar.

Moderne Kreiselmähwerke ermöglichen ein zuverlässiges Arbeiten bei hohen Geschwindigkeiten – selbst bei liegendem oder nassem Gras. Dies ist möglich, da das Gras nicht mehr klassisch geschnitten, sondern ähnlich wie bei einem Rasenmäher abgeschlagen wird. Auch kleinere Hindernisse auf Wiesen, wie beispielsweise Maulwurfshügel, können von diesen Maschinen problemlos bewältigt werden.

02. Mähverfahren und -maschinen

Mähverfahren im Vergleich

Die Entwicklung der Mähmaschinen brachte nicht nur eine erhebliche Arbeitserleichterung, sondern auch eine deutliche Effizienzsteigerung mit sich.

Bereits ein Traktor mit Balkenmähwerk konnte die Arbeit von etwa zehn Mähern übernehmen.

MÄH-
BREITE
MÄH-
LEISTUNG
Mäher mit Sense ~ 2 m ~ 0,1 ha/h
Traktor mit Balkenmähwerk 2 – 3 m 1 – 1,5 ha/h
Traktor mit Front- u. Seitenmähwerk 4 – 6 m 6 – 9 ha/h
Traktor mit PÖTTINGER NOVACAT H 11200 ~ 11,1 m ~ 13 ha/h
Traktor mit CLAAS DISCO 1100 C / RC 9,7 - 10,7 m 16 - 18 ha/h
Mähaufbereiter KRONE BiG M 450 ~ 9,9 m ~ 17 ha/h

m = Meter – ha/h = Hektar pro Stunde

Der eigentliche Durchbruch hinsichtlich Mähleistung und Zuverlässigkeit gelang jedoch erst mit der Entwicklung des Kreiselmähers. In Kombination mit immer leistungsstärkeren Traktoren sowie der Einführung von Großmähmaschinen konnte die Mähleistung seit Mitte der 1960er-Jahre nahezu verzwanzigfacht werden.

Fächenleistung der Verfahren im Vergleich

Während ein Mäher mit der Sense Schritt für Schritt vorging und dabei etwa 500 Meter pro Stunde zurücklegte, arbeiten moderne Mähmaschinen mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 15 km/h zuverlässig und effizient.

MÄH-
GESCHWINDIGKEIT
FLÄCHEN-
LEISTUNG
Mäher mit Sense ~ 0,14 m/s ~ 0,3 m2/s
Traktor mit Balkenmähwerk ~ 1,4 m/s 2 – 4,5 m2/s
Traktor mit Front- u. Seitenmähwerk ~ 4,2 m/s 16 – 25 m2/s
Traktor mit PÖTTINGER NOVACAT H 11200 ~ 3,3 m/s ~ 36 m2/s
Traktor mit CLAAS DISCO 1100 C / RC ~ 4,7 m/s 44 - 50 m2/s
Mähaufbereiter KRONE BiG M 450 ~ 4,7 m/s ~ 47 m2/s

m/s = Meter pro Sekunde – m2/s = Quadratmeter pro Sekunde

Zum Vergleich: Eine durchschnittliche 4½-Zimmer-Wohnung in Deutschland umfasst etwa 120 Quadratmeter Wohnfläche. Ein Traktor mit Balkenmähwerk benötigte ungefähr eine Minute, um eine vergleichbare Fläche zu mähen.

Ein moderner Hochleistungs-Mähaufbereiter oder Futterernter, wie er von verschiedenen Herstellern angeboten wird, bewältigt dieselbe Fläche in nur drei bis vier Sekunden.

03. Moderne Grünlandbewirtschaftung

Veränderung der Grünlandbewirtschaftung

In den 1960er-Jahren wurde das Vieh in den Monaten März oder April auf die Weide getrieben. Nur wenige Wiesen wurden bereits im Mai gemäht und das Erntegut in Hochsilos eingelagert. Meist erfolgte im Frühsommer die Heumahd, gefolgt vom sogenannten Grummetschnitt im Hoch- oder Spätsommer. Nach dem dritten Schnitt dienten die Flächen häufig noch zur Nachweide. Einer der letzten Schnitte wurde oftmals nachsiliert, da sich die Hochsilos bis dahin ausreichend gesetzt hatten.

Die Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden orientierte sich stark an den jeweiligen Standortbedingungen. Auch nährstoffarme, sandige oder feuchte Böden wurden intensiv für die Milchwirtschaft genutzt. Die Grünfuttersilage spielte damals noch eine untergeordnete Rolle und wurde überwiegend in den Wintermonaten verfüttert.

Im Jahr 1960 versorgte ein landwirtschaftlicher Betrieb in Bayern durchschnittlich 28 Personen mit Nahrungsmitteln. Bis zum Jahr 2003 stieg diese Zahl auf rund 120 Personen an. Gleichzeitig nahm die Fleischproduktion um etwa 50 Prozent zu, und die Milchleistung pro Kuh verdoppelte sich nahezu.

Die im Vergleich niedrig leistenden Kühe der 1960er-Jahre stellten geringere Anforderungen an die Qualität des Grundfutters. Mit steigender Milchleistung wuchs jedoch auch der Anspruch an die Futtergüte. Gefordert wurde nun hochwertiges, energiereiches Grünfutter, das zu optimalen Schnittzeitpunkten geerntet und in kürzeren Nutzungsintervallen gewonnen wurde.

Heute bildet die Grassilage mit einem Anteil von etwa 40 Prozent die wichtigste Futtergrundlage in der Milchviehhaltung und in Rindermastbetrieben. Die Konservierung erfolgt überwiegend in Fahrsilos oder in stark verdichteten und mit Folie umwickelten Rundballen.

Anspruch an die Futterqualität

Für eine hohe Futterqualität muss der Schnittzeitpunkt in das optimale Reifestadium des Grünlandes gelegt werden. Dieses liegt kurz vor dem Ähren- beziehungsweise Rispenschieben der Hauptbestandsbildner. Zu diesem Zeitpunkt beträgt die Wuchshöhe etwa 25 bis 40 Zentimeter.

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Silagequalität ist der Zuckergehalt des Ernteguts. Nur bei ausreichend hohem Zuckergehalt kann ein optimaler Gärprozess stattfinden. Da die Pflanzen nachts Zucker für ihren Stoffwechsel verbrauchen und diesen erst bei Tageslicht durch Photosynthese wieder aufbauen, ist der Zuckergehalt am Morgen geringer als am Nachmittag. Aus diesem Grund gilt ein Schnittzeitpunkt gegen Mittag oder am frühen Nachmittag als besonders günstig für die Silageproduktion.

Auswirkungen auf die Wildtiere

Die Hauptsetzzeit des Rehwildes fällt in die Monate Mai und Juni. Bereits bis Mitte Mai sind nach neuesten Studien statistisch gesehen etwa 50 Prozent der Kitze gesetzt.
Während die erste Mahd vor einigen Jahrzehnten überwiegend im Frühsommer – etwa zwischen Mitte Juni und Mitte Juli – stattfand, werden Wiesen heute häufig bereits während der Setzzeit zweimal gemäht.

Diese zeitliche Überschneidung von Mahdterminen und Setzzeit erhöht das Risiko für Jungwild erheblich. Die Entwicklung moderner Ernteverfahren und die Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung führen daher dazu, dass der Wildrettung heute eine deutlich größere Bedeutung zukommt als noch vor wenigen Jahrzehnten.

04. Ist eine aktive Kitzrettung nötig?

Zeitgemäße Grünlandbewirtschaftung

Moderne Mähmaschinen – ob Traktoren mit angebauten Mähwerken, Futterernter oder Mähaufbereiter – erreichen Arbeitsgeschwindigkeiten von ca. 4,2 m/s (15 km/h). Das Gesamtgewicht solcher Maschinen kann dabei bis zu 15,5 Tonnen betragen.

Um ein derartiges Fahrzeug während der Grünfutterernte sicher zum Stillstand zu bringen, ist ein Anhalteweg – bestehend aus Reaktions- und Bremsweg – von mindestens 15 Metern erforderlich.

Tierschutz im Grünland - Anhalteweg Mähmaschine

Das Erkennen eines Rehkitzes in einer hoch gewachsenen Wiese, wie Bild 1 deutlich zeigt, gestaltet sich selbst vom erhöhten Führerstand aus äußerst schwierig. Bei einer Halmhöhe von über 40 Zentimetern, wie sie bei der ersten Mahd im Mai häufig anzutreffen ist, wird das Tier nahezuvollständig verdeckt.

Eine Sichtung ist daher nur unter optimalen Bedingungen möglich. Selbst in diesem Fall befindet sich das Kitz in der Regel lediglich etwa sieben Meter vor dem Fahrzeug. Berücksichtigt man zusätzlich Vorbauten wie ein Frontmähwerk, reduziert sich die tatsächlich verfügbare Reaktionsstrecke für den Fahrer auf maximal drei Meter.

Reaktions- und Bremsweg

Tierschutz im Grünland - Sichtfeld Mähaufbereiter vs. Mähmaschine

Ein Hochleistungs-Mähaufbereiter oder Futterernter (Bild 2) verfügen in der Regel über Front- sowie seitliche Mähwerke. Auch Traktoren (Bild 3) sind bei der Mahd üblicherweise mit einem Frontmähwerk und einem seitlich – meist rechts – angebauten Mähwerk ausgestattet.

Selbst wenn ein Rehkitz oder ein Hase vom Fahrer wahrgenommen wird, reicht die verbleibende Strecke nicht aus, um das Fahrzeug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen. Während der Reaktionszeit (hellroter Bereich) legt die Maschine bereits mehrere Meter zurück, bevor der eigentliche Bremsvorgang einsetzt. Anschließend wird zusätzlich der vollständige Bremsweg (dunkelroter Bereich) durchfahren.

Alle Tiere, die sich unmittelbar vor den Kreiselmähwerken befinden, haben unter diesen Bedingungen keine Überlebenschance. Die physikalischen Gegebenheiten von Geschwindigkeit, Fahrzeuggewicht und notwendigem Anhalteweg machen deutlich, dass ein rechtzeitiges Anhalten in der Praxis kaum möglich ist.

05. Sind die Mähtechniken hilfreich?

Von innen nach außen mähen

Als häufig empfohlene Maßnahme zur Wildrettung gilt das Mähen von innen nach außen. Dabei fährt der Bewirtschafter zunächst in das Zentrum der Fläche und arbeitet sich anschließend spiralförmig nach außen vor. Der Gedanke hinter dieser Methode beruht auf dem Fluchtverhalten vieler Wildtiere.

Tierschutz im Grünland - Von innen nach außen mähen mit Mittelparzelle
Tierschutz im Grünland - Von innen nach außen mähen

Arten, die bevorzugt in deckungsreicher Umgebung leben, meiden im Falle einer Störung das Überqueren offener Flächen. Bei der konventionellen Mahd von außen nach innen entsteht jedoch genau eine solche offene Fläche. Das Wild wird dadurch zunehmend in die verbleibende Restfläche im Inneren der Wiese gedrängt.

Durch ein Mähen von innen nach außen soll hingegen ermöglicht werden, dass die Tiere in angrenzende Deckungsbereiche ausweichen können.

Allerdings ist diese Methode unter heutigen Bedingungen nur noch eingeschränkt wirksam. Während zur Zeit der Balkenmähwerke mit Geschwindigkeiten von etwa 5 km/h gearbeitet wurde und Schnittbreiten von rund zwei Metern üblich waren, erreichen moderne Hochleistungsmähmaschinen Arbeitsgeschwindigkeiten von bis zu 20 km/h bei Arbeitsbreiten von bis zu 14,5 Metern (z. B. SIP SILVERCUT DISC HD T). Aufgrund dieser erheblich gesteigerten Flächenleistungen bleibt selbst ausgewachsenem Rehwild häufig nicht ausreichend Zeit zur Flucht.

Vollständig wirkungslos ist die Methode zudem bei jungen Rehkitzen. Diese verfügen in den ersten zwei bis vier Lebenswochen noch nicht über ein ausgeprägtes Fluchtverhalten. Statt zu fliehen, verharren sie bei Gefahr regungslos im hohen Gras – ein evolutionsbiologisch angelegtes Duck- und Tarnverhalten, das sie gegenüber natürlichen Prädatoren schützt, gegenüber Mähmaschinen jedoch wirkungslos bleibt.

Die Methode des spiralförmigen Mähens stammt aus einer Zeit geringerer Arbeitsgeschwindigkeiten und hatte sowohl bei Balkenmähwerken als auch in der Anfangsphase der Kreiselmähtechnik ihre Berechtigung. Unter heutigen technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ist sie jedoch nur noch bedingt zeitgemäß und bietet insbesondere für Jungwild keinen verlässlichen Schutz.

Mäh-Knigge zur Wildrettung

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat die wichtigsten Empfehlungen zur Wildtierrettung im sogenannten „LfL-Mähknigge“ zusammengefasst. Diese Informationsschrift richtet sich an Bewirtschafter landwirtschaftlicher Flächen und enthält praxisnahe Hinweise zu geeigneten Schnittzeitpunkten, Mähtechniken und organisatorischen Maßnahmen.

Zuverlässigkeit der Mähmethoden

Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass Mähmethoden bei sehr jungen Rehkitzen keine ausreichende Schutzwirkung entfalten. Erst im Alter von etwa zwei bis vier Wochen sind die Tiere in der Lage, selbstständig vor potenziellen Gefahren zu flüchten.

Hinzu kommt, dass insbesondere Lohnunternehmer nach gemähter Fläche vergütet werden. Der Zeitfaktor spielt daher eine entscheidende wirtschaftliche Rolle. In der Praxis wird die Bewirtschaftung entsprechend effizient organisiert, um Flächen in möglichst kurzer Zeit zu bearbeiten.

Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass geeignete Maßnahmen zur Wildrettung bereits vor Beginn der Mahd ergriffen werden müssen. Ziel muss es sein, sicherzustellen, dass sich möglichst keine Wildtiere mehr in den zu mähenden Flächen aufhalten.

06. Abstimmung der Mähtermine

Mähtermine absprechen

Wiesen dienen zahlreichen Wildarten als Kinderstube. Rehwild, Feldhasen sowie bodenbrütende Vogelarten nutzen das hohe Gras als Schutz- und Deckungsraum für ihre Jungtiere. Für den Bewirtschafter bleiben diese Tiere dabei in der Regel unsichtbar.

Mit fortschreitender Vegetationsentwicklung im Frühjahr sollten Landwirte und Revierinhaber frühzeitig Maßnahmen planen, um insbesondere Jungtiere während der bevorstehenden Mahd zu schützen.

Der Termin des ersten Schnittes kann dabei entscheidenden Einfluss auf das Gefährdungspotenzial haben. Bei einem hohen Vorkommen von Wiesenbrütern empfiehlt es sich, den ersten Schnitt möglichst erst ab Mitte Juli durchzuführen, da zu diesem Zeitpunkt die Hauptbrutzeit in der Regel abgeschlossen ist.

In Gebieten mit geringem Vorkommen an Wiesenbrütern kann hingegen ein früher erster Schnitt – möglichst vor dem 10. Mai – sinnvoll sein. Zu diesem Zeitpunkt sind in der Regel erst wenige Rehkitze gesetzt, sodass das Risiko von Mähverlusten reduziert werden kann.

Eine frühzeitige Information des Revierinhabers über geplante Mähtermine sollte heute selbstverständlich sein. Dennoch erfolgt diese Abstimmung in der Praxis nicht immer konsequent. Ohne rechtzeitige Absprache sind weder eine gezielte Kitzsuche noch ein koordiniertes Vergrämen des Wildes möglich.

Einzelne Bewirtschafter vertreten nach wie vor die Auffassung, umsichtiges Mähen sei ausreichend. Hier ist die sachliche und kontinuierliche Überzeugungsarbeit von Revierinhabern und Jägern erforderlich. Zielführend sind dabei Argumente, die sowohl den Tierschutz als auch landwirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, etwa der Hinweis auf hygienisch einwandfreies Futter und die Vermeidung von Tierseuchen wie Botulismus. Drohungen oder der Verweis auf mögliche Strafen sind hingegen wenig geeignet, eine konstruktive Zusammenarbeit zu fördern.

Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern

Eine effektive Wildrettung ist nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und weiteren freiwilligen Helfern möglich. Je früher geplante Mähtermine allen Beteiligten bekannt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Mähverluste deutlich zu reduzieren und einen aktiven Beitrag zum Tierschutz zu leisten.

Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass sich Mahdtermine witterungsbedingt häufig nur kurzfristig festlegen lassen. Eine flexible Abstimmung und schnelle Einsatzbereitschaft aller Beteiligten sind daher unerlässlich.

07. Wildrettung ist Tierschutz

Mit Beginn der ersten Mahd im Frühjahr beginnt für zahlreiche Wildtiere eine besonders gefährliche Zeit. Nach Schätzungen sterben allein in Deutschland jährlich mehrere hunderttausend Tiere durch Mäharbeiten, darunter befinden sich allein 100.000 Rehkitze.

Die Rehgeiß / Ricke setzt ihre meist zwei Kitze ins hohe Gras und sucht sie in den ersten Lebenstagen nur in kurzen Intervallen zum Säugen und Säubern auf. In ihrer Abwesenheit verharren die Jungtiere regungslos am Boden. Dank ihres gefleckten Fells und des zunächst fehlenden Eigengeruchs sind sie gegenüber natürlichen Feinden gut getarnt.

Zwar unternehmen Rehkitze bereits kurz nach der Geburt erste Steh- und Gehversuche, eine koordinierte und ausdauernde Flucht ist jedoch erst nach mehreren Tagen möglich. In den ersten zwei bis vier Lebenswochen vertrauen sie bei Gefahr primär auf ihr Drückverhalten.

Diese angeborene Schutzstrategie wird ihnen während der Mahd zum Verhängnis. Da die Tiere im hohen Gras kaum sichtbar sind und nicht flüchten, werden sie häufig von den Mähwerken erfasst oder schwer verletzt.

Die Vermeidung solcher Verluste ist praktizierter Tierschutz. Unterschiedliche Methoden kommen dabei zum Einsatz, wobei ihre Wirksamkeit teilweise unterschiedlich bewertet wird. Gemeinsam ist allen Maßnahmen jedoch, dass jede Form aktiver Wildrettung einem vollständigen Verzicht vorzuziehen ist.

08. Suchen oder Scheuchen?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage ist nicht möglich. Die Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen hängt sowohl von Gelände- und Bewuchsverhältnissen als auch vom Verhalten und der Reizschwelle des Wildes ab.

Entscheidend ist häufig der zeitliche Abstand zur Mahd. In vielen Fällen kann eine Kombination mehrerer Methoden sinnvoll sein.

Ein Absuchen der Flächen ein oder mehrere Tage vor der Mahd – auch unter Einsatz eines Hundes – führt in der Regel nicht zu einem nachhaltigen Erfolg. In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft sind Wildtiere regelmäßige Störungen durch Menschen und Hunde gewohnt. Kurzzeitige Beunruhigungen führen daher oft nicht zu einer dauerhaften Verlagerung der Setzplätze.

Das Aufstellen von Wildscheuchen kann hingegen wirksam sein, sofern dies mindestens einen Tag vor der Mahd erfolgt. Eine Platzierung erst am Tag der Mahd ist meist nicht ausreichend, da der Ricke die Zeit fehlt, ihr Kitz aus der Gefahrenzone zu führen.

09. Methoden zur Kitzsuche

Tierschutz im Grünland - Kitzsuche mit geeigneten Hund

Klassische Methode

Die klassische Methode der Kitzsuche besteht im systematischen Abgehen der Wiesenflächen. Diese Maßnahme muss unmittelbar vor Beginn der Mahd erfolgen, um eine möglichst hohe Erfolgsquote zu gewährleisten. Entsprechend ist ein erheblicher personeller Aufwand erforderlich.

Der Einsatz eines geeigneten und gut ausgebildeten Hundes kann die Suche unterstützen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, Jungtiere aufzuspüren. Dennoch bietet auch diese Vorgehensweise keine vollständige Sicherheit.

In den ersten Lebenstagen verfügen Rehkitze über nahezu keinen Eigengeruch, wodurch sie sich bestmöglich vor natürlichen Fressfeinden schützen. Diese biologische Anpassung erschwert jedoch gleichzeitig das Auffinden durch Suchhunde.

Somit stellt das Abgehen der Flächen zwar eine wichtige, jedoch nicht lückenlos zuverlässige Methode der Kitzrettung dar.

Die Kitzsuche erfolgt meist in den frühen Morgenstunden, da zu diesem Zeitpunkt die Temperaturunterschiede zwischen Tierkörper und Umgebung am größten sind. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wiesen häufig noch taunass sind. Entsprechend sollten wasserdichte Kleidung sowie geeignetes Schuhwerk getragen werden.

Neben Rehkitzen befinden sich in Wiesenflächen regelmäßig auch Zecken. Diese können Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Geschlossene Kleidung, das Verschließen der Hosenbeine sowie die Verwendung geeigneter Zeckenschutzmittel reduzieren das Risiko eines Zeckenbefalls erheblich.

Die Suchkette sollte – abhängig von der Bewuchsdichte – mit einem Abstand von maximal ein bis drei Metern erfolgen. Bewährt haben sich mitgeführte Stäbe zum vorsichtigen Anheben von liegendem Gras, da sich insbesondere darunter häufig Jungtiere befinden.

Tierschutz im Grünland - Tierschutz im Grünland - Kitzsuche durch abgehen der Wiese

Einfangen und tierschutzgerechtes Verwahren von Rehkitzen

Zum Einfangen der Kitze eignet sich der Einsatz eines Käschers. Bereits wenige Tage alte Tiere können vor ihren vermeintlichen Rettern flüchten und dabei in bereits abgesuchte Bereiche zurücklaufen. Der Käscher ermöglicht ein schonendes Sichern der Tiere, ohne sie mit bloßen Händen zu berühren.

Vor dem Aufnehmen sollten die Hände mit frischem Gras abgerieben werden, um menschlichen Geruch zu minimieren. Die Kitze sind grundsätzlich mit einem dichten Grasbüschel aufzunehmen und zu tragen.

Während der Mahd müssen die Tiere in geeigneten, luftdurchlässigen Behältnissen aus Pappe, Holz oder Kunststoff verwahrt werden. Diese sind zwingend im Schatten zu platzieren, wobei eine dauerhafte Beschattung sicherzustellen ist. Direkte Sonneneinstrahlung kann innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlicher Überhitzung führen.

Nach Abschluss der Mahd werden die Kitze wieder am Fundort freigelassen.

Wichtiger Hinweis: Ein längeres Verwahren sehr junger Rehkitze ist kritisch zu betrachten, da diese von der Rehgeiß in einem engen Zeitrhythmus – etwa alle zwei Stunden – zum Säugen und Säubern aufgesucht werden. Eine Entfernung vom ursprünglichen Ablageort kann dazu führen, dass die Rehgeiß / Ricke ihr Kitz nicht mehr findet oder nicht mehr annimmt.

Kitzrettung mit Infrarot- und Wärmebildtechnik

Elektronische Suchsysteme arbeiten mit Wärmebildkameras, Infrarot- oder Pyrosensoren. Sie detektieren die vom Tierkörper abgegebene Wärmestrahlung beziehungsweise Temperaturunterschiede zur Umgebung.

Handgeführte Geräte werden in pendelnden Bewegungen eingesetzt. Wird eine Wärmequelle lokalisiert, erfolgt das gezielte Angehen des Fundpunktes. Die Flächen sollten dabei systematisch in parallelen Bahnen abgesucht werden.

Tragbare Sensorsysteme / Wildretter verfügen über mehrere, auf einem Tragegestell verteilte Sensoreinheiten. Diese Anordnung ermöglicht größere Suchbreiten und unterstützt den Anwender durch Spurassistenten sowie digitale Anzeigeelemente.

Drohnen mit Wärmebild- und Farbkamera haben sich in den vergangenen Jahren als besonders wirkungsvolle und anerkannte Methode der Rehkitzrettung etabliert. Durch den Einsatz moderner Wärmebildtechnik können Rehkitze in den frühen Morgenstunden anhand ihrer Körperwärme zuverlässig lokalisiert werden, noch bevor mit der Mahd begonnen wird. Automatisierte Flugrouten ermöglichen dabei eine systematische und lückenlose absuche der Flächen bei gleichzeitig hoher Flächenleistung. Unter günstigen Bedingungen können mehrere Hektar innerhalb kurzer Zeit kontrolliert werden.

Ein wesentlicher Vorteil dieser Methode liegt in der berührungslosen Ortung der Tiere. Die Kitze werden nicht durch Suchtrupps aufgescheucht, sondern können gezielt angesteuert und gesichert werden. Die Kombination aus Wärmebild- und Farbkamera erleichtert zudem die Verifizierung der aufgefundenen Wärmesignaturen und reduziert Fehlinterpretationen.

In der Praxis ist die Effizienz jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig. Witterungsbedingungen wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wind oder hohe Luftfeuchtigkeit beeinflussen die Wärmebildqualität erheblich. Ebenso wirken sich Geländestruktur, Vegetationshöhe und Pflanzenbestand auf die Detektionswahrscheinlichkeit aus. Trotz dieser Einschränkungen gilt die drohnengestützte Rehkitzsuche derzeit als eine der effektivsten und tierschutzgerechtesten Maßnahmen zur Vermeidung von Mähverlusten und wird sowohl von Landwirten als auch von Jägerschaften zunehmend eingesetzt und geschätzt.

Alle wärmebasierten Systeme stoßen bei zunehmender Sonneneinstrahlung an ihre Grenzen. Mit steigender Umgebungstemperatur verringert sich der Temperaturkontrast, wodurch Fehlalarme zunehmen und Tiere unter Umständen nicht mehr zuverlässig erkannt werden.

Tierschutzgerechte Verwahrung und zeitliche Problematik

Ebenso wie bei der klassischen Methode ist nach dem Auffinden ein ruhiges und fachgerechtes Vorgehen erforderlich. Zum Einfangen empfiehlt sich wiederum der Einsatz eines Käschers, da selbst wenige Tage alte Kitze bereits mobil sein können und bei Annäherung in zuvor abgesuchte Bereiche zurücklaufen. Der Käscher erlaubt ein kontrolliertes und tierschonendes Sichern, ohne direkten Handkontakt.

Zur Minimierung menschlicher Geruchseinflüsse sollten die Hände vor dem Aufnehmen mit frischem Gras abgerieben werden. Das Kitz wird grundsätzlich mit einem dichten Grasbüschel aufgenommen und getragen, um direkten Hautkontakt zu vermeiden.

Während der Mahd sind die Tiere auch hier in geeigneten, luftdurchlässigen Behältnissen aus Pappe, Holz oder Kunststoff unterzubringen. Diese müssen zwingend im Schatten platziert werden; eine dauerhafte Beschattung ist sicherzustellen. Direkte Sonneneinstrahlung kann innerhalb kurzer Zeit zu lebensbedrohlicher Überhitzung führen.

Nach Abschluss der Mäharbeiten werden die Kitze wieder am ursprünglichen Fundort freigelassen, damit die Rehgeiß ihr Jungtier problemlos wiederfinden kann.

Wichtiger Hinweis:
Ein längeres Verwahren sehr junger Rehkitze ist kritisch zu beurteilen. Die Rehgeiß sucht ihr Kitz in engen Zeitintervallen – etwa alle zwei Stunden – zum Säugen und Säubern auf. Eine Verbringung oder zu lange Trennung vom Ablageort kann das Wiederauffinden erschweren oder die Annahme durch die Rehgeiß / Ricke beeinträchtigen.

10. Kategorien der Wildscheuchen

Maschinengebundene Systeme

Mechanische Vorrichtungen zum Anbau an Mähwerken zeigten in der Praxis keine ausreichende Wirksamkeit. Teilweise führten sie sogar zu zusätzlichen Verletzungen der Tiere. Aufgrund moderner Arbeitsbreiten finden solche Systeme heute kaum noch Anwendung.

Akustische Warnsysteme, zum Beispiel Wildsirenen an Mähwerken, werden eingesetzt, um Wildtiere vor der Mahd zu vertreiben. Ihre Wirkung ist jedoch begrenzt. Verschiedene Faktoren wie das Alter der Tiere, die Beschaffenheit der Fläche und mögliche Gewöhnung an die Geräusche beeinflussen den Erfolg. Vor allem Jungtiere besitzen häufig noch keinen ausreichend entwickelten Fluchtinstinkt und reagieren daher nicht zuverlässig auf die akustischen Signale. Der Einsatz solcher Systeme kann das Risiko von Verletzungen oder Tötungen verringern, bietet jedoch keinen vollständigen Schutz.

Blinklampen

Blinklampen, insbesondere Baustellenwarnleuchten mit gelbem oder orangem Reflektor, werden häufig zur Absicherung von Bau- und Gefahrenstellen eingesetzt. Diese Farben besitzen für Rehwild jedoch nur eine geringe Störwirkung, da sich dessen Farbsehen deutlich vom menschlichen unterscheidet. Während Rot überwiegend grünlich-grau wahrgenommen wird, haben vor allem Blautöne eine stärkere Signalwirkung.

In ruhigen, abgelegenen Revierteilen können solche Leuchten durchaus eine gewisse Wirkung entfalten. In siedlungs- oder straßennahen Bereichen ist aufgrund von Gewöhnungseffekten jedoch nur eine eingeschränkte Wirksamkeit zu erwarten. Das alleinige Ausbringen von Baustellenwarnleuchten ist hier in der Regel nicht ausreichend.

Verblenden und Verstänkern

Plastiksäcke, Kunststofffolien, Aluminiumstreifen oder Rettungsdecken auf Stangen erzeugen sowohl akustische als auch visuelle Reize. Bereits leichter Wind versetzt die Materialien in Bewegung und verursacht raschelnde Geräusche. Die optische Signalwirkung wird durch reflektierende Materialien wie Rettungsdecken oder Aluminiumstreifen intensiviert. In Straßennähe resultiert daraus ein verstärkter Störfaktor. Die Intensität der Beunruhigung hängt jedoch maßgeblich von den Witterungsverhältnissen ab.

Bei Windstille bleiben akustische Effekte weitgehend aus; schlaff herabhängende Säcke werden vom Rehwild meist nur geringfügig wahrgenommen. Auch bei fehlendem Tageslicht ist die visuelle Wirkung deutlich reduziert. Der Erfolg solcher Maßnahmen ist daher nur eingeschränkt vorhersehbar.

Ergänzend eingesetzte Duftstoffe, etwa über getränkte Filzdepots ausgebracht, sollen das Vorhandensein natürlicher Feinde simulieren und können die Scheuchwirkung unterstützen. Beim Aufstellen von Wildscheuchen ist besonders auf den Abstand zu Deckungsstrukturen wie Waldrändern oder Feldgehölzen zu achten. Werden Scheuchen zu nah positioniert, entsteht eine künstliche Barriere, die das Einwechseln des Wildes in diese Bereiche hemmen kann. Eine kurzfristige Platzierung unmittelbar vor der Mahd kann zusätzlich dazu führen, dass Ricken die Nähe der vermeintlichen Gefahrenquelle meiden und ihre Kitze nicht mehr regelmäßig aufsuchen.

Modifizierte Rauchmelder

Modifizierte Rauchmelder Modifizierte Rauchmelder sind eine weitere praxisbewährte Methode. Hierbei werden handelsübliche Geräte so angepasst, dass sie dauerhaft schrille Alarmsignale aussenden. Die ungewohnten Töne sollen die Rehgeiß beunruhigen und sie dazu bewegen, ihr Kitz frühzeitig aus der gefährdeten Fläche zu führen. Unter geeigneten Bedingungen – besonders in abgelegenen, ruhigen Revieren – kann diese Methode gute Ergebnisse erzielen, idealerweise ein bis zwei Tage vor der Mahd installiert. Die kontinuierliche Lärmemission kann jedoch problematisch sein. Im Unterschied zu optisch-akustischen Systemen erzeugen Rauchmelder durchgehend Signale ohne Ruheintervalle.

Dies kann sowohl Wildtiere dauerhaft stressen als auch Anwohner beeinträchtigen und in siedlungsnahen Gebieten zu Akzeptanzproblemen oder rechtlichen Einschränkungen führen. Zudem besteht die Gefahr einer Gewöhnung des Wildes, wodurch die Wirksamkeit langfristig abnimmt. Modifizierte Rauchmelder stellen zusammenfassend unter bestimmten Rahmenbedingungen eine kostengünstige und technisch einfache Vergrämungsmaßnahme dar. Ihr Einsatz sollte jedoch sorgfältig abgewogen werden, insbesondere im Hinblick auf Lärmemissionen, Akzeptanz in der Bevölkerung sowie langfristige Effektivität.

Optisch-akustische Kitzretter

Optisch-akustische Kitzretter, stellen eine Weiterentwicklung klassischer Wildscheuchen dar. Sie kombinieren gezielt aufeinander abgestimmte Licht- und Tonsignale, um sowohl den Hör- als auch den Sehsinn des Rehwildes anzusprechen. Ziel ist es, durch eine kontrollierte und kontinuierliche Beunruhigung eine Verlagerung der Rehgeiß / Ricke mitsamt ihrem Kitz aus der zu mähenden Fläche zu bewirken.

Moderne Systeme – wie beispielsweise der LARS Wildretter PRO LS10 – arbeiten mit einer abgestimmten Abfolge von Dauer- und Intervalltönen. Diese akustischen Signale erzeugen zunächst Aufmerksamkeit und simulieren eine potenzielle Gefahrenquelle. Ergänzend dazu werden optische Reize eingesetzt, die hinsichtlich Frequenz und Farbgebung auf das Wahrnehmungsvermögen des Rehwildes abgestimmt sind.

Das Kontinuitätsprinzip: Effektive Vergrämung ohne Dauerstress

Ein wesentliches Funktionsprinzip dieser Systeme ist das sogenannte Kontinuitätsprinzip, bei dem sich aktive Reizphasen mit Ruheintervallen abwechseln. Durch diese Unterbrechungen werden die Wildtiere weniger gestresst, mögliche Anwohner spürbar entlastet und somit die Akzeptanz in siedlungsnahen Gebieten gesteigert. Zudem ermöglichen die Pausen der Rehgeiß / Ricke, sicher in die Fläche zurückzukehren, um ihr Kitz an einen geschützten Ort zu führen.

Die Geräte sind für den Dauerbetrieb ausgelegt und können sowohl nachts als auch tagsüber eingesetzt werden. Dies ist insbesondere bei der Silageproduktion von Bedeutung, da Mäharbeiten häufig erst in den Nachmittagsstunden beginnen. Durch den kontinuierlichen Betrieb wird verhindert, dass Wildtiere tagsüber erneut in die vorbereitete Fläche einwechseln.

Für eine hohe Wirksamkeit sollten optisch-akustische Systeme idealerweise zwei Tage vor der Mahd installiert werden. Dadurch wird gewährleistet, dass bereits gesetzte Kitze in Begleitung der Rehgeiß / Ricke die Fläche verlassen können und zugleich verhindert wird, dass Geißen / Ricken die betreffende Wiese noch als Setzplatz nutzen.

Im Vergleich zu rein mechanischen oder ausschließlich akustischen Lösungen zeigen optisch-akustische Systeme eine deutlich höhere Praxistauglichkeit. Sie greifen nicht physisch in den Mahdprozess ein, verursachen keine zusätzlichen Verletzungsrisiken und können flexibel an unterschiedliche Flächengrößen angepasst werden.

Dennoch ersetzen auch diese Systeme keine vollständige Kontrolle der Fläche. Ihre Wirksamkeit hängt maßgeblich vom rechtzeitigen Einsatz, der korrekten Platzierung sowie von den örtlichen Gegebenheiten ab. In Kombination mit weiteren Maßnahmen – insbesondere einer abschließenden Kontrolle durch Drohnentechnik oder das klassische Absuchen – können sie jedoch einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Mähverlusten leisten.

11. Vorgehensweisen kombinieren!

Bewertung wissenschaftlicher Untersuchungen

Zur Wirksamkeit verschiedener Methoden der Rehkitzrettung liegen mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und praxisnahe Evaluierungen vor. In diesen Arbeiten werden klassische Suchverfahren, technische Systeme sowie unterschiedliche Vergrämungsmaßnahmen miteinander verglichen und hinsichtlich ihrer Erfolgsquoten bewertet.

Bei einer Gegenüberstellung der Studien fällt jedoch auf, dass die angegebenen Erfolgsraten teilweise erheblich voneinander abweichen. Unterschiede im zweistelligen Prozentbereich sind keine Seltenheit. Diese Schwankungen sind weniger als Widerspruch zu verstehen, sondern vielmehr als Ausdruck der stark variierenden Rahmenbedingungen.

Entscheidende Einflussfaktoren sind unter anderem die regionale Wilddichte, die Vegetationsstruktur, die Topografie, die Bewirtschaftungsintensität sowie die zum Einsatz kommenden Maschinen. Auch Witterungseinflüsse – insbesondere Temperatur, Sonneneinstrahlung und Wind – wirken sich maßgeblich auf die Leistungsfähigkeit technischer Systeme und das Verhalten des Wildes aus.

Darüber hinaus spielen organisatorische Faktoren eine zentrale Rolle. Der zeitliche Abstand zwischen Suche und Mahd, die Anzahl der eingesetzten Helfer, deren Erfahrung sowie die Koordination zwischen Landwirten und Jägern beeinflussen das Ergebnis oftmals stärker als die gewählte Methode selbst.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht zielführend, einzelne Verfahren isoliert als „beste Lösung“ zu deklarieren. Vielmehr zeigen die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass jede Methode unter bestimmten Voraussetzungen wirksam sein kann, unter anderen jedoch deutlichen Einschränkungen aufweist.

Ein System, technisch vollkommen und fehlerfrei mit einer hundertprozentigen Erfolgsquote ist derzeit nicht verfügbar und wird voraussichtlich auch künftig nur schwer realisierbar sein. Dennoch erreichen moderne technische Hilfsmittel in Kombination mit organisatorischen Maßnahmen bereits hohe Rettungsquoten.

Die Studien verdeutlichen somit vor allem eines: Der Erfolg der Wildrettung beruht weniger auf einer einzelnen Maßnahme als auf der angepassten Kombination geeigneter Verfahren unter Berücksichtigung der jeweiligen betrieblichen und regionalen Gegebenheiten.

Der Mähzeitpunkt bestimmt die Methode

Die Wahl der geeigneten Rettungsmethode hängt maßgeblich vom zeitlichen Vorlauf zwischen Information und tatsächlicher Mahd ab. Erfolgt die Abstimmung erst wenige Stunden vor Arbeitsbeginn, sind die Handlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt. In diesem Fall bleibt meist nur das klassische, personell aufwendige Absuchen der Wiese unmittelbar vor der Mahd. Dabei ist es zusätzlich erforderlich, dass der Bewirtschafter die bekannten Empfehlungen zur mähtechnischen Vorgehensweise konsequent berücksichtigt, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Werden Mähtermine bereits am Vorabend kommuniziert, verbessern sich die Erfolgsaussichten deutlich. In diesem Zeitfenster können neben der klassischen Suche auch tragbare oder fliegende Wärmebildsysteme sowie elektronische Vergrämungsmaßnahmen eingesetzt werden.

Idealerweise sind die Mähtermine jedoch mehrere Tage im Voraus bekannt. Ein Vorlauf von zwei, besser drei bis vier Tagen ermöglicht es, elektronische Wildscheuchen rechtzeitig auszubringen. Dadurch werden nicht nur vorhandene Tiere aus der Fläche verdrängt, sondern auch neu einwechselnde Geißen / Ricken vom Setzen in der betreffenden Wiese abgehalten

Somit wird deutlich, dass nicht allein die Wahl der Methode über den Erfolg entscheidet, sondern vor allem die frühzeitige Kommunikation und Koordination aller Beteiligten. Der Mähzeitpunkt bestimmt folglich maßgeblich die zur Verfügung stehenden Maßnahmen und deren Wirksamkeit.

Effiziente Kombination von Methoden

Eine besonders wirkungsvolle Strategie zur Reduzierung von Mähverlusten stellt die Kombination aus frühzeitiger Vergrämung und anschließender Drohnensuche dar. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, sowohl präventiv als auch kontrollierend zu arbeiten und dadurch ein Höchstmaß an Sicherheit zu erreichen.

Optisch-akustische Wildretter lösen durch gezielte Licht- und Tonsignale den natürlichen Instinkt der Rehgeiß / Ricke aus, ihr Kitz frühzeitig aus der potenziellen Gefahrenzone zu führen. Voraussetzung für eine hohe Wirksamkeit ist dabei ein rechtzeitiges Ausbringen der Geräte, idealerweise mindestens zwei Tage vor der Mahd. Dies ist insbesondere deshalb erforderlich, da Rehkitze erst ab einem Alter von etwa zwei Tagen in der Lage sind, ihrer Mutter aktiv zu folgen. Gleichzeitig wird durch die frühzeitige Vergrämung verhindert, dass Geißen / Ricken die betreffende Fläche noch als Setzplatz nutzen.

Die Drohne übernimmt unmittelbar vor der Mahd die finale Sicherheitskontrolle. Mittels Wärmebildtechnik wird überprüft, ob die Vergrämungsmaßnahmen erfolgreich waren oder ob sich noch Kitze in der Fläche befinden. Dies betrifft insbesondere sehr junge Tiere mit ausgeprägtem Drückinstinkt, die trotz Beunruhigung nicht selbstständig flüchten.

Auch wenn Drohnensysteme eine hohe Effizienz aufweisen, unterliegen sie natürlichen Grenzen. Dichte Vegetation, zunehmende Sonneneinstrahlung oder geringe Temperaturunterschiede zwischen Tierkörper und Umgebung können die Detektionssicherheit einschränken. Die vorgeschaltete Vergrämung reduziert in solchen Fällen die Anzahl potenziell verbliebener Tiere erheblich und schließt damit sicherheitsrelevante Lücken.

Ein weiterer Vorteil dieser Kombination liegt in der lückenlosen Absicherung bis zur Mahd. Nach Abschluss der morgendlichen Drohnensuche verbleiben die optisch-akustischen Systeme weiterhin aktiv auf der Fläche und verhindern ein erneutes Einwechseln von Wild. Dadurch bleibt der Schutz bis zum tatsächlichen Mähbeginn gewährleistet.

Synergieeffekte: Zeitersparnis und minimierter Stress

Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erweist sich diese Strategie als praxisnah. Drohneneinsätze erfordern in der Regel ein Team aus einem Piloten und mehreren Helfern und sind zeitlich auf die kühlen Morgenstunden begrenzt. Befinden sich durch die vorausgegangene Vergrämung weniger Tiere in der Fläche, reduziert sich der personelle und zeitliche Aufwand erheblich. Gleichzeitig müssen deutlich weniger Kitze bis zur Mahd in geeigneten Behältnissen verwahrt werden, wodurch Stress und unnötige Trennungen zwischen Rehgeiß / Ricke und Kitz minimiert werden.

Die Kombination aus frühzeitiger Vergrämung und präziser technischer Kontrolle vereint somit zwei sich ergänzende Ansätze: Während die Vergrämung vorbeugend wirkt und eine Flächenräumung anstrebt, liefert die Drohne unmittelbar vor der Mahd eine gezielte Überprüfung. Im Zusammenspiel entsteht ein effizientes und praxisgerechtes Schutzsystem mit hoher Sicherheitswirkung.

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